Möglichst wenig Kalorien und trotzdem viel Geschmack

Ernährung, Essen und Trinken 1979:

Der schon seit Jahren zu beobachtende Trend zur kalorienärmeren Ernährung setzt sich auch im Jahr 1979 fort. Allerdings zeigen sich bei manchen in der Vergangenheit als besonders fettarm und bekömmlich geltenden Nahrungsmitteln – wie z.B. der Margarine – gesundheitliche Probleme bei allzu hohem Verbrauch.

Während sich die meisten Menschen in den westlichen Industrieländern um ihre schlanke Linie sorgen, steht für die Bevölkerung der dritten Welt weiterhin der Kampf um das tägliche Brot auf der Tagesordnung.

In den vergangenen zehn Jahren haben sich die Ernährungsgewohnheiten der Bundesbürger allmählich, aber dauerhaft, verändert: Rindfleisch und Butter haben an Attraktivität eingebüßt, fettarmes Schweinefleisch und Geflügel hingegen an Boden gewonnen. In Zahlen ausgedrückt heißt dies: Jeder Bundesbürger verzehrt im Wirtschaftsjahr 1979/80 durchschnittlich 21,6 kg fettarmes Rindfleisch (1970/71 noch 22,1 kg) und 7,2 kg Butter (8,3 kg). Der Verbrauch an fettarmem Schweinefleisch stieg im gleichen Zeitraum von 40,2 auf 49,6 kg und der Geflügelverbrauch von 8,6 auf 9,9 kg an. Immer mehr Bundesbürger lassen indes die Butter stehen und greifen zur angeblich gesünderen Margarine. Jedoch ergeben im April veröffentlichte ernährungsphysiologische Untersuchungen, dass das in der Butter enthaltene Cholesterin keineswegs als gefährlicher Wirkstoff zwangsläufig zu Verkalkung, Herzinfarkt und Schlaganfall führen muss Im Gegensatz dazu könne die aus pflanzlichen Fetten hergestellte Margarine durch ein Überangebot der darin enthaltenen Linolsäure auf Dauer auch krebsfördernd wirken.

Von solchen Nebenwirkungen völlig unbeeinflusst ist ein anderes »leichtes« Erzeugnis, das immer mehr Liebhaber findet: Das gesund-sprudelnde Mineralwasser. In Frankreich wird mit 51 l pro Kopf und Jahr am meisten davon getrunken (Bundesrepublik: 30 1), von dort kommt auch ein neuer Exportschlager: In den USA ist Mineralwasser der Marke »Perrier« zu einem wahren Verkaufshit geworden. Versehen mit besonderen Utensilien – ausgefallenen Kronenkorkenöffnern und Verschlusskappen – wird in den USA vor allem bei den »oberen Zehntausend« zur Wasser-Party geladen.

Die Freunde geistiger Getränke in der Bundesrepublik greifen im Jahr 1979 immer häufiger zum Sektkelch statt zum Weinglas. Jeder Deutsche trinkt im Jahresdurchschnitt 4 l Sekt, 1970 war es erst die Hälfte. Der Weinverbrauch stagniert hingegen seit Jahren bei etwa 24 l pro Kopf.

Allerdings profitieren die deutschen Weinhersteller 1979 von skandalösen Nachrichten aus dem Nachbarland Frankreich: Mehrere Zehntausend Flaschen Burgunder, so wird im April bekannt, wurden vom Hersteller mit einem falschen Etikett versehen und enthalten minderwertigen Wein.

Dabei wird in dem allenfalls zufriedenstellenden Weinjahrgang 1979 gerade dem Burgunder hohe Güteklasse vorhergesagt. In der Bundesrepublik Deutschland hat die Weinernte nur durchschnittliche Qualität. Der Rebensaft wird allgemein als angenehm frisch, aber nicht als herausragend beurteilt.

Probleme ganz anderer Art werden auf der UN-Weltagrarkonferenz in Rom (<!– –>12.7.<!– –>) erörtert. Anhaltende Missernten in der UdSSR, Dürrekatastrophen in Afrika: Die Welt scheint für eine Nahrungsmittelkatastrophe größeren Ausmaßes nicht gerüstet.

Zwar wächst die Nahrungsmittelproduktion seit Jahren weltweit stetig an – in den Ländern der Europäischen Gemeinschaft werden 1979 erstmals mehr Agrarprodukte erzeugt als verbraucht –, dennoch steigt die Zahl der Hungernden immer weiter an.