Sparmotoren stärker gefragt

Auto und Verkehr 1979:

Oberstes Gebot für Konstrukteure neuer Personenwagen ist mehr Wirtschaftlichkeit zur Senkung des Benzinverbrauchs. Die Jahresproduktion geht in der westlichen Welt um 1,1% gegenüber dem Vorjahr zurück, weil auch in den USA (minus 8%) kräftige Einbußen zu verzeichnen sind.

Die Benzinpreisspirale macht die in den USA üblichen großvolumigen Fahrzeuge fast unverkäuflich. Den Autoherstellern Ford und Chrysler droht zeitweilig der Bankrott, vor dem sich Chrysler nur durch Staatshilfe retten kann (<!– –>1.11.<!– –>). Dennoch bleiben die USA in der Weltrangliste mit 11,5 Mio. gebauten Autos im Jahr vor Japan (9,6 Mio.) und der Bundesrepublik Deutschland (4,2 Mio.) an vorderster Position. Hier fahren 35,2% der Einwohner einen Pkw, in den USA sind es bereits 52,2%. Im Bereich der Europäischen Gemeinschaft gelingt allein den Deutschen dank vermehrter Exporte ein Plus von 1,1%.

Die Zulassungszahlen sind rückläufig: 1979 werden in der Bundesrepublik 2,62 Mio. Pkw und Kombi zugelassen, 40 000 weniger als 1978. Führend bleibt VW/Audi mit einem Marktanteil von 31,5% (1978 noch 30,3%) vor Opel (17,9%, minus 1,4%) und Ford (11,8%, minus 2,1%). Stärkster Ausländer ist Renault (5,0%), die japanischen Marken kommen insgesamt auf 5,6%.

Der Trend zum Sparmotor stellt die Hersteller vor Probleme: Die neue Motorengeneration muss in den USA, aber auch in Japan und teilweise in Europa gänzlich neu konstruiert werden. Der weltgrößte Produzent, General Motors, antwortet darauf mit sog. Weltmodellen: In der Bundesrepublik gibt es den Opel Kadett D mit Vierzylinder-Quermotor und – erstmals bei Opel – auch mit Frontantrieb (1,2 bis 1,3 l, 39-55 kW Leistung); in den USA läuft der gleiche Wagen bei General Motors unter dem Namen Chevette vom Band.

Ganz neu sind die von General Motors konstruierten sog. X-Cars nach europäischem Vorbild von Chevrolet, Buick, Pontiac und Oldsmobile: Frontantrieb, quergestellter Motor mit bis zu sechs Zylindern, leichte Hinterachse und kompakte Karosserie mit größerem Innenraum zeichnen sie aus.

Die deutschen Hersteller setzen ihre Modellinien im Wesentlichen fort: BMW stellt mit dem 732i den ersten Wagen mit integrierter Motorelektronik (3,2 l, sechs Zylinder, 145 kW Leistung), mit dem 745i den ersten Wagen der Luxusklasse in Europa mit Turboaufladung vor und rüstet alle Sechszylinder serienmäßig mit elektronischer Benzineinspritzung aus.

Daimler-Benz setzt mit der neuen S-Klasse (MB 280, MB 380 und MB 500 mit Sechs- und Achtzylinder-Motoren von 2,8 bis 5,0 l Hubraum und 115 bis 177 kW Leistung) Maßstäbe hinsichtlich eines reduzierten Kraftstoffverbrauchs durch Gewichtssenkung und Reduzierung des Luftwiderstandes: Normverbrauch 13,5 l Super bei 120 km/h beim 500 SEL mit 225 km/h Spitze. VW stellt mit dem Jetta ein vom Golf abgeleitetes Modell mit konventionellem Kastenheck vor (Vierzylinder, 1,3 bis 1,6 l Hubraum und 44 bis 81 kW Leistung).