Fast Food und Nobelimbiss

Ernährung, Essen und Trinken 1980:

Die Ernährungsgewohnheiten der Bundesbürger weisen 1980 sehr unterschiedliche Trends auf: Einerseits wächst der Wunsch nach solchen Mahlzeiten, die sich rasch fertigstellen und schnell konsumieren lassen; andererseits legen immer mehr Menschen Wert auf qualitativ hochwertige oder besonders exklusive Lebensmittel, deren Zubereitung und Verzehr fast zu einem Ritual werden.

Vor allem bei Jugendlichen beliebt sind die sog. Fast-food-Restaurants, von denen es im Bundesgebiet 1980 etwa 300 gibt. Angeboten werden hier zumeist mehrere Varianten von Hamburgern – einem Brötchen mit Hackfleischklops, der je nach Wunsch mit Zwiebeln, Salat, Käse und anderen Zutaten garniert wird – sowie Pommes frites und Erfrischungsgetränke. Dass diese Art der Ernährung auf die Dauer zu Übergewicht führt, gleichzeitig aber Mangelerscheinungen hervorruft, zeigen Berichte aus den USA. Dort wiesen Kinder, die sich fast ausschließlich von Fast-food-Produkten ernährten, Persönlichkeitsveränderungen wie Aggressionen, Schlaflosigkeit und Angstträume auf, offensichtlich hervorgerufen durch Vitaminmangel.

Für schnell zubereitete Mahlzeiten zu Hause steht den Verbrauchern ein reiches Sortiment an Tiefkühlprodukten zur Verfügung, die den herkömmlichen Konserven weitgehend den Rang abgelaufen haben. Besondere Renner sind Pizza und gefüllte Baguette, aber auch fernöstliche Speisen wie Chopsuey oder China-Suppe.

Aufgeschreckt durch Meldungen über Schadstoffe im Essen – etwa Östrogen im Kalbfleisch (<!– –>1.10.<!– –>) – kaufen immer mehr Bundesbürger sog. Bioprodukte. Die Landwirte, die solche Nahrungsmittel herstellen, legen Wert auf eine naturnahe Anbauweise; sie verzichten auf chemischen Dünger und Schädlingsbekämpfungsmittel, auf Medikamenteneinsatz bei der Tieraufzucht und auf risikobehaftete Zusätze bei der Nahrungsmittelverarbeitung.

Die Käufer der Bioprodukte betreiben bei der Zubereitung ihrer Mahlzeiten zumeist großen Aufwand. Wert gelegt wird vor allem auf eine nährstofferhaltende Verarbeitung und eine sinnvolle Zusammenstellung der Zutaten.

Was die Sorgfalt bei der Auswahl und Zubereitung der Lebensmittel angeht, sind sich die Befürworter der Biokost einig mit der Anhängern der aufkommenden sog. Edel-Fresswelle Diese verzehren mit Vorliebe Delikatessen wie Austern und Kaviar, Hummersuppe und Lachs, dazu Champagner und exotische Spirituosen.

Zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse können die Nobelesser eine wachsende Zahl von exklusiven Imbissständen aufsuchen; es gibt aber auch schon eine Reihe von Restaurants, die sich bemühen, ihre Gäste nicht nur satt zu machen sondern die Mahlzeit zu einem Erlebnis werden zu lassen. Den besten Ruf genießt das von Eckart Witzigmann geleitete »Aubergine« in München, das 1979 als deutsches Restaurant mit drei Sternen des renommierten Gourmet-Reiseführers »Michelin« ausgezeichnet worden ist.

Auch das Gros der Bevölkerung hat seine Ernährungsgewohnheiten seit den 50er Jahren deutlich verändert. »Sattmacher« wie Kartoffeln und Brot kommen weit seltener auf den Tisch, dafür ist der Verzehr von Obst und Gemüse, aber auch von Fleisch, Fett und Zucker beträchtlich gestiegen.

Vor allem aber nehmen viele Bundesbürger weit mehr Kalorien zu sich, als sie benötigen. Um das so entstandene Übergewicht, das nicht den gängigen Schönheitsvorstellungen entspricht und außerdem als gesundheitsschädlich gilt, wieder abzubauen, versuchen es viele mit Schlankheitskuren, oft ohne Erfolg. Nach Ansicht von Ernährungsfachleuten kann nur eine dauerhafte Umstellung der Essgewohnheiten dazu führen, überflüssige Pfunde abzubauen und das Gewicht langfristig auf einem niedrigeren Niveau einzupendeln. Zu einer solchen Änderung sind die meisten Diätwilligen allerdings nicht bereit.