Furcht vor Arbeitslosigkeit

Arbeit und Soziales 1980:

Die Angst vor einer drohenden Wirtschaftsrezession und einer infolgedessen wachsenden Arbeitslosigkeit, die zunehmende Automation am Arbeitsplatz und die steigende Zahl von Asylbewerbern – dies sind die großen sozialen Themen des Jahres 1980 in der Bundesrepublik Deutschland.

Im Jahresdurchschnitt liegt die Zahl der Arbeitslosen mit 889 000, entsprechend einer Quote von 3,8%, zwar nur geringfügig über den Vorjahreswerten. Jedoch zeigt die Arbeitslosenquote zum Jahresende einen deutlichen Aufwärtstrend. Angesichts dieser Situation verhalten sich die Gewerkschaften ruhig. 1980 gibt es keine nennenswerten Arbeitskämpfe. Mit dem sog. Aussperrungsurteil fällt das Bundesarbeitsgericht jedoch am <!– –>10. Juni<!– –> eine wichtige Entscheidung für künftige Tarifauseinandersetzungen.

In einer Umfrage nennen denn auch die meisten Befragten die Verschlechterung der allgemeinen Wirtschaftslage als wichtigsten Faktor, der zum Verlust des Arbeitsplatzes führen könnte. Als weitere wichtige Gründe gelten Krankheit, Alter sowie eine verschlechterte Situation des eigenen Betriebes. Obwohl 30% der befragten Arbeitnehmer angeben, dass in ihrem Betrieb in den letzten Jahren durch neue Arbeits- oder Herstellungsverfahren Arbeitskräfte eingespart worden seien, fürchten nur relativ wenige einen Arbeitsplatzverlust durch die sich ausbreitende Automation.

Besonders von der Arbeitslosigkeit betroffen sind junge Menschen, Arbeitnehmer ohne abgeschlossene Berufsausbildung sowie Frauen, die eine Teilzeitarbeit suchen. Lediglich 65% der arbeitslosen Frauen streben im September 1980 eine Vollzeitbeschäftigung an (bei den Männern sind es 99%). Die Zahl der Teilzeitarbeitsplätze ist zwar in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen – von etwa 1,4 Mio. Ende 1976 auf etwa 1,7 Mio. Ende 1980 –, reicht aber noch lange nicht aus.

Ältere Arbeitnehmer müssen sich häufig mit Langzeitarbeitslosigkeit abfinden. 29,6% der über 45-jährigen und sogar 38,9% der über 55-jährigen haben seit zwei oder mehr Jahren keine Arbeit.

Daneben weisen auch einzelne Branchen besonders hohe Arbeitslosenraten auf. So sind in der bundesdeutschen Stahlindustrie seit 1974 etwa 15% der Arbeitsplätze abgebaut worden, weil die Nachfrage nach Stahl deutlich sank, während die Produktivität vieler Anlagen sprunghaft angestiegen ist (<!– –>23.4.<!– –>).

Auch auf dem Wohnungsmarkt verschärft sich die Situation. Weil die Zahl der Haushalte ständig steigt – 1980 sind es 24,8 Mio., davon 30,2% Ein-Personen- und 28,7% Zwei-Personen-Haushalte –, werden Wohnungen knapp und teuer. So häufen sich die Fälle, in denen leerstehende Häuser besetzt werden (<!– –>12.12.<!– –>).

Die Zahl der neuerrichteten Wohnungen liegt zwar mit 388 900 wieder leicht über dem Vorjahresstand, bleibt aber weit unter dem Niveau, das zwischen Mitte der 50er und Mitte der 70er Jahre erreicht wurde. Damals wurden jährlich etwa 550 000 bis 600 000 Wohnungen gebaut. Stark gesunken ist der Anteil des sozialen Wohnungsbaus am gesamten Wohnungsbau. Anfang der 50er Jahre erreichte er noch fast 70%, nun liegt er bei 41%.

Wie immer in Zeiten einer Wirtschaftsrezession verstärkt sich 1980 die Diskussion um die in der Bundesrepublik lebenden Ausländer. Insgesamt haben 1980 7,4% der Bevölkerung keine deutsche Staatsangehörigkeit. Unter den Erwerbstätigen stellen die Ausländer einen Anteil von 9,9%.

Ein weiteres Ausländerthema beschäftigt im Sommer 1980 die Gemüter: Weil die Zahl der Asylbewerber sprunghaft ansteigt, sind die Behörden mit der Bearbeitung der Anträge und der Unterbringung der Flüchtlinge überfordert. Pläne zur Einschränkung des Asylrechts werden laut. In der Folge kommt es zu Übergriffen auf Flüchtlingsunterkünfte, bei denen mehrere Menschen ermordet werden (<!– –>2.7.<!– –>).