Hochkonjunktur für Reklame

Werbung 1980:

Während die übrige Wirtschaft stagniert, kann sich die Werbebranche 1980 über kräftige Zuwachsraten freuen. Ihr Umsatz erreicht in diesem Jahr 11,8 Mrd. DM, 9,9% mehr als 1979; seit 1974 hat er sich fast verdoppelt.

Grund für das anhaltende Hoch in den Kassen der werbetreibenden Wirtschaft ist ein grundsätzliches Umdenken bei den Unternehmen: Für Werbung wird in den meisten Firmen ein fester Betrag einkalkuliert, während sie früher oft nur kurzfristig aufgrund bestimmter Marktgegebenheiten eingesetzt wurde. Der wachsende Konkurrenzdruck auf dem Konsumgütermarkt lässt nun die Werbeetats der Firmen ansteigen.

Welche Akzeptanz die Werbung inzwischen bei fast allen gesellschaftlichen Gruppen erzielt hat, zeigt einer der ungewöhnlichsten Aufträge des Jahres 1980. Die katholische und die evangelische Kirche planen eine Anzeigenserie, mit der sie für ihr (Glaubens-)»Angebot« werben wollen.

Bedeutsamster Werbeträger bleiben 1980 die Tageszeitungen (5,3 Mrd. DM Werbeumsatz), gefolgt von den Publikumszeitschriften (2,4 Mrd. DM), der Direkt- (1,3 Mrd. DM) und der Fernsehwerbung (1,1 Mrd. DM). Eine Renaissance erlebt außerdem die Kinoreklame. Für die Zukunft setzt die Werbewirtschaft auch auf die sog. Neuen Medien, etwa Bildschirmtext (<!– –>2.6.<!– –>), oder die geplanten Pilotprojekte für Kabelfernsehen.

Bei aller Zufriedenheit mit der wirtschaftlichen Entwicklung haben die Werber 1980 auch Grund zu Besorgnis. Im Bereich gewisser Reizthemen wie Alkohol- und Zigarettenreklame oder die Darstellung von Frauen in der Werbung müssen sie künftig mit Einschränkungen rechnen.

So erklärt Familienministerin Antje Huber (SPD) im Dezember in einem Zeitungsinterview, sie befürworte eine gesetzliche Regelung, »damit die Frauen mit ihren körperlichen Merkmalen nicht länger in der Werbung missbraucht werden«. Anlass für diese Äußerung, die die Ministerin wenig später deutlich abmildert, sind die zunehmenden Klagen über sexistische Werbung, in der der weibliche Körper ohne Zusammenhang mit dem angebotenen Produkt lediglich als Anreißer benutzt wird.