Neues in der Umwelttechnik

Wissenschaft und Technik 1980:

Drei Themenkreise bestimmen deutlich den technischen und wissenschaftlichen Fortschritt des Jahres: Die Lösung von Umweltproblemen, Weiterentwicklungen auf dem Gebiet der elektronischen Datenverarbeitung und Kommunikation sowie die Physik im subatomaren Bereich.

In der westlichen Welt hat die sog. Energiekrise des Winters 1973/74 das Bewusstsein für einen sparsamen Umgang mit Energie- und Rohstoffressourcen wachgerufen und in der Folge auch die Aufmerksamkeit auf die Umweltbelastungen gelenkt, die mit der Nutzung fossiler Energieträger und der industriellen Fertigung verbunden sind.

Erste großtechnische Anlagen im Bereich der alternativen Energie sind 1980 teils noch im Versuchsstadium, teils schon im technischen Einsatz. In den Industriestaaten wird vielfältig mit solartechnischen Projekten experimentiert, vom einfachen als Wärmesammler konzipierten Solarkollektor für das Hausdach bis zu Versuchsanlagen im Bereich des Solarkraftwerkbaus.

Als vielversprechendes Konzept gilt die Wiederentdeckung der Windenergie für den Antrieb von Frachtschiffen. So laufen auf der japanischen Werft Nippon Kokan erstmals seit einem halben Jahrhundert wieder besegelte Schiffe vom Stapel. Ähnliche Entwicklungen sind für Tankschiffe in den USA im Gange. Die Besegelung folgt nicht dem klassischen Konzept, sondern besteht in vertikalen metallischen Schaufeln mit zum Mast parallelen Außenkonturen. Sie werden – computergesteuert – optimal auf den Wind ausgerichtet und dienen als Zusatzbesegelung zum motorischen Schiffsantrieb.

Am weitesten fortgeschritten sind Projekte der Umweltsanierung. So gilt mit der von der deutschen Firma Buckau-Walther AG entwickelten Rauchgas-Entschwefelungstechnologie für Öl- und Kohlekraftwerke diese bisher als problematisch angesehene Aufgabe als großtechnisch gelöst. Einen großen Schritt vorwärts haben im Bereich der Reinigung industrieller Abwässer die Chemiekonzerne Bayer und Hoechst vollzogen.

Ein Augenmerk richtet die Forschung auch auf das Problem des Hausmülls. So arbeiten an Hochschulinstituten in Aachen und München versuchsweise vollautomatische Müllsortieranlagen, die die Abfälle nach wiederverwertbaren Rohstoffen – Papier, Eisen und Nichteisenmetalle, Glas, Kunststoffe etc. – klassifizieren.

Der Computerentwicklung kommt die Kapazitätserhöhung der Speicherchips entgegen. Diese elektronischen Bauteile erlauben u.a. die Herstellung erster Computer im Taschenformat. Zugleich werden die sog. Home-Computer kleiner, leistungsfähiger und billiger.

Einen bedeutenden Fortschritt auf dem Gebiet der elektronischen Datenübertragung stellt die neue Generation von Telekommunikationssatelliten dar: »Intelsat V«, ein US-amerikanisches Weltall-Relais, kann gleichzeitig 13 000 Telefongespräche übertragen.

Die Grundlagenphysik wird vor allem durch eine Erkenntnis von Physikern der Cornell-Universität (USA) bereichert, die einen ersten Hinweis auf die Existenz sog. B-Mesonen gefunden haben, und durch die Entdeckung des späteren deutschen Nobelpreisträgers Klaus von Klitzing, dass sich der elektronische Widerstand nicht kontinuierlich, sondern in Quantensprüngen ändert.