Polnische „Solidarnosc“ entsteht, Tod Titos gefährdet Jugoslawien, Iran und Irak im Krieg

Politik und Gesellschaft 1980:

Vielmehr zeichnet sich am Jahresende ab, dass sich auch in einer anderen Region die Situation zuspitzt. Nachdem die polnischen Arbeiter ihre Forderungen nach der Gründung einer unabhängigen Gewerkschaft durchgesetzt haben und nun die kommunistische Regierung weiter unter Druck setzen, scheint auch hier eine militärische Intervention der Sowjetunion nicht mehr ausgeschlossen. Die NATO zeigt bereits vorbeugende Drohgebärden.

Und auch in anderen Regionen der Welt sind Konflikte mit internationalen Dimensionen vorprogrammiert. Niemand wagt eine Prognose, welchen Kurs der Vielvölkerstaat Jugoslawien nach dem Tod von Josip Tito nehmen wird. In der Krisenregion Nahost, in der es trotz des ägyptisch-israelischen Friedensvertrages von 1979 weiter schwelt, ist ein neuer Kriegsschauplatz eröffnet worden: Die Ölstaaten Iran und Irak tragen ihre Rivalitäten seit dem 22. September in einem offenen militärischen Schlagabtausch aus. In mehreren afrikanischen Staaten sind Bürgerkrieg und Hunger an der Tagesordnung. Und auch in Mittelamerika – quasi im Hinterhof der USA – entladen sich die wachsenden sozialen Spannungen immer häufiger in blutigen Auseinandersetzungen.