Vielfalt der Stile und Formen

Architektur 1980:

Eine Vielzahl von Stilen und Richtungen kennzeichnet die Architektur am Beginn der 80er Jahre. Gemeinsam ist den unterschiedlichen Strömungen allerdings die Abkehr von den gesichtslosen Funktionsbauten der 50er und 60er Jahre.

Das Prinzip, die Moderne zu überwinden, haben sich die sog. Postmodernen zu eigen gemacht. Sie beziehen in ihrer Architektur bewusst historische Stile und vertraute Formen ein, verleihen ihnen aber durch die veränderte individuelle Zusammenstellung eine neue Bedeutung. Einer der herausragenden Vertreter der Postmoderne in den USA ist Philip Johnson, der mit seinem 1980 fertiggestellten Kirchenbau »Chrystal Cathedral« in Garden Groves bei Los Angeles an Entwürfe von Ludwig Mies van der Rohe aus den 30er Jahren anknüpft. Noch im Bau befindet sich das Gebäude für die American Telefone and Telegraf Company in New York, das Johnson gemeinsam mit John Burgee entworfen hat. Hier werden Elemente der Gotik, der Renaissance, des Klassizismus und des Art déco aufgegriffen und miteinander verknüpft.

Weit stärker dem Funktionalismus verpflichtet bleibt die Architektengruppe The New York Five, die überwiegend Wohnhäuser mit individuellem Zuschnitt konstruieren, bei denen die exklusiven Wünsche der Auftraggeber so weit wie möglich berücksichtigt werden. Diese Bauten wollen sich ihrer Umgebung – zumeist Naturlandschaften – nicht anpassen, streben aber dennoch einen Dialog mit der äußeren Welt an. Dies wird zumeist durch großflächige Verglasung erreicht, die der Durchlässigkeit zwischen innen und außen dient. Der radikalste unter den New York Five ist Peter Eisenmann. Seine Entwürfe stellen quasi ein Plädoyer für eine autonome Architektur dar, die die Bedürfnisse der Bewohner nicht so sehr erfüllt, sondern sie vielmehr infrage stellt und eine eigene Ästhetik entwickelt.

In vielen europäischen Ländern zeigt sich die Ablehnung der funktionalen Moderne in einer bodenständigen Bauweise, die darauf abzielt, Neubauten möglichst organisch in die Umgebung einzupassen, etwa durch die Übernahme regionaler Baustile. Viele der so konzipierten Gebäude sind auf den ersten Blick nicht als Neubauten zu erkennen. Der englische Architekt Simon Crosse formuliert seine Absicht beim Bau eines Hauses so: »Wenn 99 von 100 Leuten vorübergehen, ohne davon Notiz zu nehmen, dann ist es geglückt.«

Bei dieser Art der Architektur wird außerdem großes Gewicht auch auf die psychischen Bedürfnisse der Bewohner gelegt. Die gefühlsmäßige Bindung der Benutzer an die eigene Wohnung und ihr Umfeld, lange Zeit in der Architektur kaum berücksichtigt, spielt nun wieder eine bedeutsame Rolle, nachdem sich gezeigt hat, dass in funktionalen Neubaugebieten soziale Konflikte durch die Architektur noch verschärft wurden.

Um neue Wohnlichkeit geht es auch bei den Ansätzen zu einer umfassenderen Städteplanung, wie sie vor allem von den Brüdern Leon und Rob Krier betrieben wird. Sie bemühen sich darum, durch Funktionalbauten geprägten Städten ihr ursprüngliches Gesicht zurückzugeben und sie wieder zu einem organischen Ganzen werden zu lassen. Ein Beispiel hierfür ist das 1980 fertiggestellte Torhaus Ritterstraße in Berlin-Friedrichstadt, für das Rob Krier den Entwurf lieferte. Bei aller klaren Strukturierung wirkt die Fassade aufgelockert und anziehend, die Schranke zwischen öffentlichem und privatem Leben wird weitgehend aufgehoben.

Harmonie mit der Umgebung suchen auch die Architekten der sog. Öko-Bauten, bei denen ein möglichst schonender Umgang mit der Natur ausschlaggebendes Moment ist. Dies geschieht einerseits durch die Verwendung natürlicher Baustoffe wie Tonziegel, Lehm und Holz, aber auch durch das Bemühen um Energieeinsparungen und die Nutzung alternativer Energiequellen beim Betrieb des Hauses.