Atom- und Raumforschung

Atom- und Raumforschung
12. April 1981: Die US-amerikanische Raumfähre “Columbia” startet von Cape Canaveral aus zu ihrem Jungfernflug. By NASA (Great Images in NASA (image link)) [Public domain], via Wikimedia Commons

Wissenschaft und Technik 1981:

Die herausragendsten wissenschaftlich-technischen Ereignisse des Jahres spielen sich in erster Linie im Bereich der Großforschung ab. Hier wiederum dominieren die Gebiete Atomphysik, Raumforschung und Solartechnik. Die Alltagstechnik bringt außer den ersten CD-Plattenspielern wenig Neues auf den Markt.

Die Atomphysik bekommt in ihrem paneuropäischen Forschungszentrum CERN in Genf ein neues Großinstrument: Den Antiprotonen-Protonen-Speicherring SPS. Die Anlage dient dazu, die elektrisch geladenen Elementarteilchen in starken Feldern auf große kinetische Energien zu beschleunigen und sie dann aufeinander zu schießen. Die resultierenden subatomaren Reaktionen lassen Rückschlüsse auf den Aufbau der Materie und auf atomare Kräfte zu.

Eine bisher unbekannte subatomare Umwandlung entdecken Wissenschaftler der Gesellschaft für Schwerionenforschung (GSI) in Darmstadt: Die Protonenradioaktivität. Bislang waren nur radioaktive Prozesse bekannt, bei denen Alpha-, Beta- und Gammasstrahlen abgegeben werden. Die neuentdeckte Reaktion ereignet sich nur bei sehr schweren Atomkernen mit hohem Protonenüberschuss Bei ihr werden Protonen frei. Während der Experimente mit schweren und superschweren Atomen gelingt den Forschern in Darmstadt auch die Entdeckung des kurzlebigen Elements mit der Ordnungszahl 107, das in ihren Labors entsteht.

12. April 1981: Die US-amerikanische Raumfähre “Columbia” startet von Cape Canaveral aus zu ihrem Jungfernflug. By NASA (Great Images in NASA (image link)) [Public domain], via Wikimedia Commons

12. April 1981: Die US-amerikanische Raumfähre “Columbia” startet von Cape Canaveral aus zu ihrem Jungfernflug. By NASA (Great Images in NASA (image link)) [Public domain], via Wikimedia Commons

Die Raumforschung erhält neue Impulse durch den ersten Start der mit zwei Astronauten besetzten US-amerikanischen Raumfähre »STS-1« Columbia (<!– 12.4.1981–>). Sie soll als wiederverwendbares Raumfahrzeug (Spaceshuttle) den Weg ins All in Zukunft kostengünstiger gestalten als die bisherigen »Einwegraketen«. Columbia hat die Aufgabe, Satelliten in den Orbit zu bringen und kann zugleich bemannte Weltraumlaboratorien ins All transportieren, die dort verschiedenartige wissenschaftliche Missionen ausführen.

Rein astrophysikalischer und astronomischer Forschung diente das »Einstein-Satellitenobservatorium HEAO-2«, das am 25. April seine Mission beendet. Dieser Satellit hatte das bisher größte Röntgenteleskop der Welt an Bord. Er ging im November 1978 in eine Umlaufbahn in 521 bis 541 km Höhe. Mit seiner Hilfe gelang es, über 100 bis dahin unbekannte Röntgen-Quasare (»quasistellare Objekte«) zu entdecken, deren Erforschung wichtige Hinweise auf den Entstehungsmechanismus der Sterne liefern kann.

Ebenfalls rein astronomischer und astrophysikalischer Forschung dient ein neues Großradioteleskop bei Sorocco im US-Bundesstaat New Mexiko. Es ist als VLA (»Very Large Array«, deutsch: »Sehr große Anordnung«) aus 27 einzelnen Parabolantennen von je 25 m Durchmesser aufgebaut, die längs eines Y mit 21, 21 und 19 km Armlänge aufgestellt und durch einen Computer miteinander verknüpft sind. Die VLA hat die gleiche Auflösung wie eine hypothetische Parabolantenne von 35 km Durchmesser.

Parabolantennen ganz anderer Art werden in Raisting/Oberbayern eingeweiht. Hier geht die größte Erdfunkstelle der Welt in Betrieb, eine Relaisstation für die Kommunikation über Nachrichtensatelliten. Ihre 25-m-Spiegel können noch Empfangsleistungen von 10 bis 129 Watt (Billionstel Watt) auswerten.

Erste Versuchs-Solarkraftwerke entstehen auf Sizilien (<!– 13.4.1981–>) und in Südspanien. In Spanien experimentiert man mit Anlagen nach dem Turm- und Formkonzept. Ein Produkt der Solarforschung ist auch das Leichtflugzeug »Solar Challenger« (<!– 7.7.1981–>) des US-amerikanischen Konstrukteurs Paul Mac Cready, das erstmals die Überquerung des Ärmelkanals mit Hilfe von Sonnenkraft ermöglicht.

Die Verkehrsforschung macht Fortschritte in Frankreich, wo ein Höchstgeschwindigkeitszug (TGV) 380 km/h erreicht (<!– 22.9.1981–>). In den USA arbeitet die Autoindustrie erstmals mit mikroprozessorengesteuerten Zylinderventilen, die bei geringer Motorbelastung einzelne Zylinder abschalten.