Erholung im sonnigen Süden, Aktivferien und Studienreisen

Urlaub und Freizeit 1981:

Die Bundesbürger sind 1981 weiterhin die »Weltmeister im Reisen«. Neben dem Familienurlaub in deutschen Landen stehen in diesem Jahr Auslandsreisen hoch im Kurs. Auch Abenteuer- und Aktivurlaub sowie Fernreisen in exotische Länder erfreuen sich bei einem exklusiven Konsumentenkreis zunehmender Beliebtheit. Verstärkt werden auch sog. Alternativreisen angeboten, die Ziele fern der ausgetretenen Touristenpfade anbieten. Zudem entwickeln sich »Rucksackreisen« bei Jugendlichen zu einem regelrechten Boom.

Die durchschnittliche Anzahl der Urlaubstage der Bundesbürger ist in den 20 Jahren stetig gestiegen. Der Mindesturlaub beträgt nach dem Bundesurlaubsgesetz 18 Werktage, wobei in den Tarifverträgen für die Mehrheit der Bürger weitaus längere Urlaubszeiten vereinbart worden sind: So bekommen etwa 5% der Arbeitnehmer drei bis unter 4 Wochen Urlaub, 22% vier bis unter fünf Wochen, 69% fünf bis unter sechs Wochen, und immerhin noch 4% erhalten sechs Wochen Urlaub pro Jahr.

Mehr Urlaub ist gleichbedeutend mit mehr Freizeit und Reisen. Fast 60% der Bevölkerung gehen jährlich auf Urlaubsreise, etliche davon verreisen sogar mehrmals im Jahr. Die Ausgaben der Bundesbürger für die »kostbarste Zeit des Jahres« sind dementsprechend hoch: Fast 1000 DM werden im Durchschnitt bei Auslandsreisen pro Person und Urlaub im Jahr ausgegeben. Über 60% aller Reisen gehen ins europäische Ausland. Nach wie vor reisen die Bundesdeutschen am liebsten nach Österreich; danach folgen Italien, Spanien, Frankreich, Jugoslawien und die Schweiz. Die übrigen europäischen Länder weisen zusammen nur einen Anteil von etwa 13% auf. Das favorisierte Verkehrsmittel ist nach wie vor das Auto, mit dem 63% aller Urlauber verreisen, gefolgt von Eisenbahn, Flugzeug und Reisebus.

In heimatlichen Gefilden sind vor allem die Berg- und Seenlandschaften im Süden – vielfach bei älteren Reisenden – die bevorzugten Reiseziele. Aber auch die Nord- und Ostseebäder stehen hoch in der Gunst der Feriengäste. Die Schwäche der DM lockt zudem viele Ausländer in die Bundesrepublik Deutschland: Mit etwa 20% ist der Ausländeranteil bei den Urlaubsgästen im März am größten. Die deutschen Urlaubsgebiete registrieren in den Sommermonaten bereits 20 bis 50% mehr Buchungen als im Vorjahr. Ferienhäuser, Bungalows und Campingplätze verzeichnen einen großen Zulauf und werden – häufig aufgrund der Sparmöglichkeiten vor aller bei Familien mit Kindern – immer beliebter.

Nur etwa 4% aller Reisen gehen in außereuropäische Ausland. Beliebte Fernreiseziele sind z.B. die Malediven, Indien, Ägypten und Mexiko. Auch luxuriöse Kreuzfahrten, z.B. »Seychellen – Ostafrika – Ägypten«, sind bei gut situierten Kunden durchaus gefragt. Immer mehr junge Menschen verbinden ihren Urlaub oder die Ferien mit Weiterbildungsmaßnahmen wie etwa sprachlicher Fortbildung oder Studien- und Kulturreisen in ferne Länder. Auch der sog. Aktivurlaub setz sich in weiten Kreisen durch: Sportliche Betätigung wie Surfen, Tennis oder Segeln und regelmäßiges Fitnessprogramm ist für viele ebenso wichtig wie das Faulenzen in de Sonne.

Bei Jugendlichen und Junggebliebenen stehen »Rucksacktouren« und sog. Alternativreisen hoch in Kurs. Zum Renner der Saison entwickelt sich das »Inter-Rail-Ticket« der Deutschen Bundesbahn für 395 DM. Mit ihm können junge Leute bis 26 Jahre einen Monat lang frei nach Lust und Laune kreuz und quer durch 19 europäische Länder und Marokko reisen. In oft völlig überfüllten Züge zieht es die jugendlichen Individualtouristen bevorzugt in südliche Gefilde wie Griechenland oder Spanien; sie übernachten in Zelte oder einfach am Strand.

Eine interessante und viel genutzte Einrichtung ist die Organisation für Internationale Kontakte (OIK), die einerseits Pauschalarrangement anbietet, andererseits unkonventionelle Aufenthalte beispielsweise in japanischen Familien vermittelt oder Gruppenexkursionen zu Entwicklungshilfeprojekten in Tansania oder Senegal anbietet. Eigens dazu werden Vorbereitungsseminare abgehalten, die den Reisende umfassende Hintergrundinformationen zur Kultur und Politik des jeweiligen Landes liefern.