»Memphis«-Kollektion setzt Maßstäbe

Wohnen und Design 1981:

Neben in Form und Farbe traditionellen Möbelstücken, für die sich breite Käuferschichten interessieren, dominieren zunehmend avantgardistische Designer-Möbel. Diese »Kunst-Möbel« zeichnen sich oft durch eine äußerst gelungene Verbindung von Ästhetik und Funktionalität aus.

In Galerien der europäischen Kunstmetropolen sowie in den USA oder in zeitgemäßen Möbelgeschäften in der Bundesrepublik Deutschland ist immer mehr Mobiliar von sog. Möbel-Künstlern zu bestaunen. Ausgefallene Tische, Stühle, Schränke, Sofas mit bemalten Bezügen, Lampen oder Kommoden finden beim zahlungskräftigen Verbraucher, Sammler und Liebhaber immer mehr Anklang.

In Form, Dekor und Farbe sind diesen Möbelstücken keine Grenzen gesetzt. Fantasie und progressive Ideen erweisen sich als ausschlaggebend. Dabei steht der eigentliche Gebrauchscharakter der Möbel nicht immer im Vordergrund. Häufig handelt es sich ausschließlich um Exemplare, die das Kunstwerk in den Mittelpunkt stellen. So weisen die Stühle international bekannter Designer und »Möbel-Künstler« häufig eine geradezu »gesäßfeindliche Linienführung« auf. Im Repertoire, das sich in gutbürgerlichen Wohnzimmern kaum durchsetzen dürfte, befinden sich z.B. Stühle und wackelige Tische mit teilweise völlig verzerrten Proportionen und Winkeln sowie abschüssigen Sitz- bzw. Stellflächen und schrägen Lehnen.

Der weltweit bekannte italienische Designer Ettore Sottsass gilt als stilprägend. Er entwirft 1981 zusammen mit der neu gegründeten Designer-Gruppe »Memphis« einige extravagante Möbelstücke. Der experimentierfreudige Sottsass gilt als radikaler Verfechter des Anti-Designs. Seine Möbel stehen häufig im krassen Widerspruch zur »guten Form« sowie zur alltäglichen Gebrauchsfunktion. So stellt er Spinde aus kunststoffbeschichteten Pressplatten mit gespreizten Chrom-Beinen und schiefe Leiter-Regale her. Fast alle seiner Produkte stehen auf Podesten und Sockeln: Das ist der Versuch, so Sottsass, sich dem »Kitsch der bürgerlichen und kleinbürgerlichen Einrichtung zu entziehen«. Ebenfalls aus Italien kommen neuartige Chaiselongue-Modelle. Die klassische Chaiselongue, das Liegesofa ohne Rückenlehne, erlebt in modernen Wohnzimmern derzeit als bequemer Ruhe- und Fernsehplatz ein Comeback.

Während für eine elitäre Minderheit dekoratives Interieur im modernen Stil wichtig ist, bleibt es für viele andere zunächst noch ein Wunsch, ihre eigenen Wohnvorstellungen zu verwirklichen. Ihnen fehlen zum einen die finanziellen Mittel, zum anderen fehlt häufig die entsprechende Wohnung. Besonders betroffen von akuter Wohnungsnot in Großstädten sind Studenten, kinderreiche Familien mit geringen Einkommen, Sozialhilfeempfänger etc. llBiiger Wohnraum wird u.a. aufgrund verfehlter Städtebaupolitik Mangelware. Sozialer Wohnungsbau ist stark rückläufig, die jährlichen Neubauten (etwa 365 000 Wohnungen) decken bei weitem nicht den Bedarf. Vorrangig junge Leute reagieren mit Hausbesetzungen auf den Wohnungsmangel in den Städten.