»Päpste« der deutschen Esskultur testen und kritisieren Menus der Feinschmecker-Restaurants

Ernährung, Essen und Trinken 1981:

Zu den wohl angesehensten Gourmet-Journalisten und Esskritikern der Nation gehören Klaus Besser, Gert von Paczensky und Wolfram Siebeck. Alle drei verbringen einen großen Teil ihrer Arbeit damit, die Köstlichkeiten der Gourmet-Restaurants und solcher, die es noch werden wollen, einer kritischen Prüfung zu unterziehen.

Klaus Besser ist beispielsweise innerhalb eines Jahres in etwa 300 Restaurants mehr oder weniger willkommener Gast und bewertet die Küche mittels einer Punkteskala, von 0 für die schlechteste bis 20 für die perfekte Küche. Es werden sowohl die »Frische der Produkte« als auch die »Preiswürdigkeit der Weine« mit äußerster Akribie, doch letztendlich immer subjektiv, beurteilt.

Der joviale Esskritiker Gert von Paczensky bewertet über 60 Nobelrestaurants pro Jahr. Mitunter besucht er sie viermal, bevor er, sozusagen als praktische Verbraucherinformation für die zahlungskräftigen Feinschmecker, über sie schreibt.

Dabei stehen der Verbrauch von Fleisch und Wurst sowie die Ausgaben für Gaststätten-Besuche an erster Stelle. Die monatlichen Ausgaben für Lebensmittel verteilen sich im Einzelnen folgendermaßen:

Fleisch und Wurst 159 DM, Gaststätten-Essen knapp 94 DM, für Milchprodukte sowie Obst, Gemüse und Kartoffeln wird jeweils um die 70 DM ausgegeben. Für Brot und Backwaren liegen die Ausgaben bei 60 DM, die Getränke-, Kaffee- und Teekosten betragen über 50 DM.

Der jährliche Getränkekonsum der Bundesbürger beträgt 1981 662 l pro Kopf, davon sind allein 180 l alkoholische Getränke. Kaffee, Bier und Milch gehören zu den favorisierten Durstlöschern. Die Lieblingsgetränke der Konsumenten sind nach Rangfolge in der Tabelle erfasst

Der Alkoholkonsum ist kontinuierlich gestiegen. Der Weinverbrauch hat sich in den 20 Jahren mehr als verdoppelt. Bei den sog. harten Getränken nehmen Korn und Branntweine eine Spitzenstellung ein. Tendenziell ist diese Entwicklung auch in anderen EG-Staaten zu beobachten. In der Bundesrepublik Deutschland gibt es 1981 etwa 1,5 Mio. Alkoholabhängige. Neben individuellen Problemen ist u.a. die hohe Arbeitslosigkeit für den Alkoholmissbrauch verantwortlich.