Rüstungswettlauf geht trotz Abrüstungsverhandlungen in eine neue Runde

Politik und Gesellschaft 1981:

Raketenhochrüstung und die Verschärfung des Ost-West-Konfliktes lassen die Gefahr eines Dritten Weltkrieges immer akuter erscheinen. Neue Konzepte US-amerikanischer Militärstrategen, die davon ausgehen, dass ein Atomkrieg nicht zwangsläufig das Ende der Menschheit bedeutet, sondern durchaus zum Sieg einer Seite (»Victory is possible«) führen kann, verdeutlichen das prekäre Verhältnis der Supermächte untereinander. »Politik der Stärke« ist das Motto, unter dem sowohl die UdSSR als auch die USA ihre Aufrüstung vorantreiben (NATO-Doppelbeschluss 1979) oder ihre Einflusszonen zu erweitern versuchen (sowjetische Invasion in Afghanistan 1979/80).

Pershing II, eines der nach dem Doppelbeschluss aufgestellten Waffensysteme. By United States Army (Scan of photo) [Public domain], via Wikimedia Commons

Pershing II, eines der nach dem Doppelbeschluss aufgestellten Waffensysteme. By United States Army (Scan of photo) [Public domain], via Wikimedia Commons

Mit dem Amtsantritt von US-Präsident Ronald Reagan im Januar 1981 beginnt eine neue Phase im Rüstungswettlauf der Militärbündnisse. Geleitet von der von ihm befürchteten Gefahr einer beginnenden US-amerikanischen Unterlegenheit, forciert Reagan die rüstungstechnischen Anstrengungen seines Landes. Neben einem Programm zur Modernisierung der strategischen Streitkräfte beschließt seine Regierung im August den Bau der Neutronenbombe. Die neue Bombe, die der SPD-Sicherheitsexperte Egon Bahr als ein »Symbol der Perversion des Denkens« bezeichnet, vernichtet dank größerer Strahlen- und geringerer Explosivkraft Menschen und verschont Gebäude. Viele Kritiker sehen in dieser Entscheidung Reagans eine Torpedierung der Abrüstungskomponente des NATO-Doppelbeschlusses – im November beginnen in Genf die INF-Abrüstungsverhandlungen zwischen der UdSSR und den USA.