Neue Elemente hergestellt

Neue Elemente hergestellt
Landung des Space Shuttle Columbia, eine wiederverwendbare Raumfähre (Edwards Air Force Base). By NASA (Holiday Films slide set) [Public domain], via Wikimedia Commons

Wissenschaft und Technik 1982:

Große Fortschritte in Naturwissenschaft und Technik ergeben sich in erster Linie auf dem Gebiet der theoretischen und praktischen Atom- und Kernphysik.

Wissenschaftlern der Gesellschaft für Schwerionenforschung (GSI) in Darmstadt gelingt es im August erstmals, in einer an ihren Schwerionenbeschleuniger UNILAC gekoppelten Versuchsanordnung Atome des instabilen und deshalb in der Natur nicht vorkommenden superschweren Elements 109 mit der Massenzahl 266 herzustellen. Bereits im Vorjahr war die Erzeugung des Elements 107 mit der Massenzahl 262 geglückt. Damit erringt die GSI weltweit eine Führungsposition in der Untersuchung von Transuranelementen. Die sehr großen Atome entstehen, wenn schwere Atomkerne mit hoher Energie aufeinanderprallen und fusionieren.

Großexperimente zur Fusion der sehr leichten Atomkerne des Schweren Wasserstoffs (Deuterium und Tritium) führt in Kalifornien das Lawrence Livermore Laboratory mit der Zielsetzung der Energiefreisetzung in einem Fusionsreaktor durch. Gefrorene Schwerwassertröpfchen werden hierzu mit Hochleistungslasern beschossen und dadurch sehr schnell erhitzt. 1982 gelingt es auf diese Weise erstmals – für fünf Hundertstelsekunden –, eine kontrollierte Kernfusion zu erreichen. Im Genfer Atomforschungszentrum CERN können die Wissenschaftler die Kollision von Protonen mit Antiprotonen beobachten. Bei diesem Prozess werden die Materie und die Antimaterie vollkommen in Energie umgewandelt.

Noch weiter in die subatomare Grundlagenforschung dringen Physiker am US-amerikanischen Stanford Institute ein. Sie vermuten, in der kosmischen Strahlung sehr große Elementarteilchen von ungefähr 1016 Protonenmassen gefunden zu haben, die sich wie ein magnetischer Monopol, also ein isolierter magnetischer Nord- oder Südpol, verhalten.

Für Schlagzeilen sorgt die Raumfahrt: Der US-amerikanische Spaceshuttle »STS 4«, eine wiederverwendbare Raumfähre, befördert seine kommerzielle Nutzlast ins All. Anfang März liefern die sowjetischen Raumsonden »Venera 13« und »Venera 14« erste Farbfotos von der nach 300 Mio. Flugkilometern erreichten Venus zur Erde, und am 10. Dezember kehrt die Besatzung des sowjetischen Raumschiffs »Saljut 7« vom bislang längsten Aufenthalt im Weltall zurück. Er betrug 112 Tage. Der US-amerikanische Spaceshuttle »Columbia« absolviert seine letzten Probeflüge (<!– 4.7.1982–>).

Im terrestrischen Verkehr sorgen der Tunnelbau und die Schifffahrt für Superlative: Am 25. Juni geht der mit 15 442 m Längste Eisenbahn-Schmalspurtunnel, der Furka-Basistunnel in der Schweiz, in Betrieb, am 15. November wird der längste Eisenbahntunnel der Welt überhaupt, der 22 228 m lange Daishimizu-Tunnel zwischen Omiya und Niigata in Japan eingeweiht, und am 17. Dezember durchquert erstmals ein Linienzug den mit 10 748 m längsten deutschen Eisenbahntunnel unter dem Landrücken bei Fulda.

In Hamburg nimmt Europas modernste Schiffführungs- und Simulationsanlage (»SUSAN«) ihren Betrieb auf. Hier werden ab sofort jährlich rund 200 Ingenieure, Kapitäne, nautische Offiziere und Lotsen aus- und weitergebildet. Außerdem dient »SUSAN« der nautischen Forschung.

Für Schlagzeilen sorgen eine Reihe von scheinbar bedeutenden Alternativenergie-Pilotanlagen. In erster Linie handelt es sich um Solar- und Windkraftwerke. Sie alle erwecken aber in der Öffentlichkeit eine nur trügerische Hoffnung auf die mögliche Loslösung von Heiz- und Kernkraftwerken, denn sie sind weder wirtschaftlich akzeptabel noch ökologisch vertretbar. Wollte man mit thermischen, elektrischen oder thermoelektrischen Solarkraftanlagen nach dem Stand der Technik allein 10% des bundesdeutschen Strombedarfs decken, dann würden derartige Anlagen einen Großteil der Landesfläche einnehmen.