Reiselust deutlich gedämpft

Urlaub und Freizeit 1982:

Nach über 30 Jahren ungebrochenen Wachstums geht der Welttourismus 1982 erstmals seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs zurück. Nach Schätzung der Welttourismusorganisation in Madrid werden 1982 weltweit 3 Mrd. Reisen unternommen, dies bedeutet einen Rückgang um 1,3% gegenüber dem Vorjahr.

Auch die Bundesbürger, die nach wie vor als Touristen im Ausland mit 39,5 Mrd. DM mehr Geld ausgeben als irgendein anderes Volk, üben sich angesichts der Wirtschaftskrise und der pessimistischen Prognosen für den Arbeitsmarkt (<!– –>31.3.<!– –>) in Zurückhaltung. 1982 unternehmen 55% der Westdeutschen eine mehrtägige Urlaubsreise, 1980 waren es noch 57,7%.

Darüber hinaus sind die Urlauber sparsamer geworden. Mehr Menschen bleiben im eigenen Land, das eigene Auto wird gegenüber anderen Verkehrsmitteln noch stärker bevorzugt (von 58,9% gegenüber 55,9% 1981). Dies geht vor allem zulasten der Bahnreisen; deren Anteil von 15,9% (1981) auf 14,4% (1982) sinkt.

Auch bei Auslandsreisen die Bundesbürger auf den Preis, legen dabei aber auch Wert auf Qualität. So ziehen die vergleichsweise billigen Hotels an der rumänischen Schwarzmeerküste deutlich weniger westdeutsche Touristen an als in den vergangenen Jahren, nachdem Klagen über schlechten Service und miserables Essen laut geworden sind. Unter diesem Ruf hat auch das Nachbarland Bulgarien zu leiden, das ebenfalls als Reiseziel an Attraktivität verliert. Zu den Verlierern der Saison zählt außerdem Griechenland, wo die Übernachtungspreise in den letzten Jahren beträchtlich nach oben geklettert sind.

Einen Aufschwung erleben dagegen die »klassischen« Reiseländer am Mittelmeer, Italien und Spanien. Sie können erstmals seit längerer Zeit Österreich wieder aus der Spitzenstellung bei den beliebtesten Reisezielen der Westdeutschen verdrängen.

Noch eine weitere Sparmaßnahme der Bundesbürger bringt die Touristikunternehmen in Bedrängnis: Immer mehr Urlauber gehen dazu über, ihre Unterkünfte nicht mehr über Reisebüros, sondern direkt beim Anbieter zu buchen, der ihnen von früheren Reisen bekannt ist. Die Gastwirte selbst versuchen ihrerseits, Gäste aus früheren Jahren mit Direktangeboten anzusprechen, bei denen sie zumeist bessere Einnahmen erzielen können als auf dem Umweg über einen Pauschalanbieter.

Unterstützt wird dieser Trend durch Angebote von Billigflügen, die nicht mehr durchweg an die gleichzeitige Buchung einer Unterkunft gebunden sind – etwa bei der Lufthansa-Tochter Condor. Eine noch billigere Möglichkeit, per Flugzeug ans Ziel zu gelangen und dort auf eigene Faust für eine Unterkunft zu sorgen, bietet die DDR-Fluggesellschaft Interflug. Vor allem Jugendliche und Studenten starten vom Ostberliner Flughafen Schönefeld aus zu ihren Ferienzielen – zu konkurrenzlos niedrigen Preisen.

Ein Hin- und Rückflug Berlin (Ost)-Athen kostet bei Interflug zwischen 350 und 420 DM, für einen normalen Linienflug muss man dagegen das Fünffache bezahlen, für den billigsten Charterflug von Berlin (West) aus immer noch knapp 600 DM. Dafür werden lange Wartezeiten bei Einreise und Abfertigung, mangelhafter Service an Bord der Maschinen, gelegentliche Zurückweisungen wegen Überbuchung und mitunter auch die Anreise aus dem Bundesgebiet in Kauf genommen.