Skandale um die Neue Heimat und den Flick-Konzern – mehr als zwei Millionen Arbeitslose

Politik und Gesellschaft 1982:

Zwei der größten Skandale in der Geschichte der Bundesrepublik lassen außerdem generelle Zweifel an den moralischen Qualitäten der Führungspersönlichkeiten in Politik und Wirtschaft aufkommen: Anfang Februar wird bekannt, dass Topmanager des gewerkschaftseigenen Wohnungsbaukonzerns Neue Heimat jahrelang in die eigene Tasche gewirtschaftet haben. Wenig später kommt der Verdacht auf, dass sich Bonner Politiker durch Spenden des Flick-Konzerns in ihren Entscheidungen hätten beeinflussen lassen. Auch wenn dieser Vorwurf sich nicht bestätigt, kommen doch dubiose Praktiken aller Bundestagsparteien beim Umgang mit den ihnen zufließenden Spenden ans Licht.

An der wirtschaftlichen Lage ändert sich auch nach dem Regierungswechsel zunächst wenig. Die Zahl der Arbeitslosen übersteigt im November erstmals seit Beginn der 50er Jahre wieder die Zweimillionengrenze; die Zahl der Firmenzusammenbrüche erreicht zum Jahresende eine Rekordmarke. Weil die Art und Weise, wie die Wende zustande gekommen ist, vielfach kritisiert wurde, strebt die Mehrheit der Bundestagsparteien Neuwahlen an. Diese werden durch ein wiederum höchst umstrittenes Verfahren, die Vertrauensverweigerung für den Kanzler trotz ansehnlicher Parlamentsmehrheit, ermöglicht. Meinungsumfragen am Jahresende lassen allerdings noch nicht erkennen, dass die neue Koalition bei der Wahl am 6. März 1983 einen eindrucksvollen Sieg einfahren wird.