Apart: Faltenrock und Herrenschuhe

Mode 1984:

Die Modezeitschriften versuchen vergeblich, einen neuen Trend herbeizuschreiben. Oversize bleibt in Mode, wenn auch nicht mehr ganz so extrem. Aber eine »neue« Weiblichkeit bahnt sich an, sie wird durch enge Schlauchkleider signalisiert. Wadenlanges dominiert, bei Lagerfeld/Chanel auch Knöchellanges. Eine entscheidende Neuerung sind flache Absätze, wenn nicht sogar klassische Herrenschnürschuhe, und undurchsichtige Strümpfe zu langen Röcken. Sehr edel sehen knöchellange Faltenröcke mit überlangen, schmalen Pullovern aus. Ein modisches Muss ist der Wickelrock. Die Anleihen bei der Herrenmode bleiben: Sakkos mit Chaplin-Hosen, klassische Ulster-Mäntel aus Tweed oder Flausch sowie Humphrey-Bogart-Hüte. Dazu aber werden weibliche Accessoires addiert: Seidenblusen mit großen Schleifen, Perlenketten und Spitzenschleifen oder ein großer Strassclip am Tweedsakko. Die Kostümjacken sind doppelreihig mit relativ breiten Revers. Modern ist Marineblau mit Goldknöpfen.

Pelz bleibt begehrtes Statussymbol, je voluminöser, desto lieber: Breite Schultern und weite Ärmel. Reversibles mit Loden oder Nappaleder außen und innen Pelz wird im sportlichen Bereich getragen.

Neu ist der Trend zur Farbe, nachdem der Einfluss der Japaner wie auch der Punks in den letzten Jahren nur Schwarz und Grau gelten ließ. Karl Lagerfeld bringt Blusen mit Matisse-Motiven. Dietmar Sterling, ein neuerdings in Paris angesiedelter deutscher Modedesigner, mixt knallige Farben: Sonnenblumengelb mit Mohnrot und Flieder mit Kardinalrot. Er liebt die Zusammenstellung von breiten vertikalen und horizontalen Streifen. In der Haute Couture geht man zu großzügigen Karos und schottischen Tartans über. Eine große Vorliebe herrscht für transparente Materialien wie Baumwollorgandy, Seidenorganza oder spinnwebdünnem Leinenbatist. Sie eignen sich für weite Überblusen wie für lose Staubmäntel.

Karl Lagerfeld steigt bei Chloë aus. Umso mehr ist man von seiner Chanel-Kollektion begeistert. Souverän spielt er mit dem Erbe von Mademoiselle Coco: Das klassische Chanel-Kostüm erhält einen lockeren Schnitt. Elegante Hosenanzüge kommen hinzu.

In Frankreich ist die Mode, schon wegen der hohen Exportziffern der Branche, auch von wirtschaftlicher Brisanz. Pierre Cardin beispielsweise beschäftigt 160 000 Arbeitnehmer. Deshalb sind die Lohnkämpfe der Näherinnen, die im Februar, eine Woche vor den Haute-Couture-Schauen, ausbrechen, ein Politikum. Die Arbeitgeber lenken schnell ein.

Neben Frankreich bestimmt nach wie vor Italien das Geschehen auf den Laufstegen: Der Export steigert sich im ersten Halbjahr bis zu einem Wert von umgerechnet fünf Milliarden DM.

Die Berliner Mode macht wieder verstärkt von sich reden. Ihr neuer Stern heißt Claudia Skoda. Sie begeistert die Kunden mit einfallsreicher Strick- und Jersey-Mode.

Die japanischen Designer in Paris, allen voran Issey Miyake, Yoshi Yamamoto und Rei Kawakubo, haben ihre eigene Fan-Gemeinde gefunden. Ihr Motto lautet: »Kleider leben, nicht Kleider tragen!« Sie lassen Weite walten und ziehen über die Oversize-Leinen-Jacke einen noch weiteren Mantel aus Wintercotton. Sie bleiben bei Schwarz, setzen aber durch ein andersfarbiges Gewandteil Akzente.

Dennoch gibt die Pariser und Mailänder Mode auch deutliche Impulse für einen neuen Mini, der vor allem von Jugendlichen angenommen wird. In der Jugendmode sind grellbunte Punkfrisuren beliebt. Damit ein Wechsel von der braven Bürohaartracht zum flippigen Abendstyling möglich wird, kommen auswaschbare Farbhaarsprays auf den Markt. Beim Modeschmuck sind Orden angesagt. Unechtes, Großes aus viel Strass und Gold prunkt an der Brust.