Das Geschäft mit der Biokost:

Ernährung, Essen und Trinken 1984:

Östrogene im Kalbfleisch, Salmonellen im Geflügel sowie Rückstände von Düngemitteln und Umweltgiften in Obst und Gemüse beunruhigen die Verbraucher zunehmend. Mehr als drei Viertel der Erwachsenen, so ergaben Handelsstudien, sind nicht mehr bereit, sorglos zu konsumieren. Die seit Anfang des Jahres in Kraft getretene neue Kennzeichnungsverordnung für Lebensmittel hat das Bewusstsein der Käufer noch weiter geschärft.

Von dieser Entwicklung profitieren neben den etwa 2000 angestammten Reformhäusern in der Bundesrepublik vor allem die neu entstandenen Bio-Läden, die ausschließlich naturbelassene Produkte vertreiben: biologisch angebaute Landwirtschaftsprodukte ohne den Zusatz von chemischen Dünge- oder Schädlingsbekämpfungsmitteln etc. Die Tatsache, dass diese Geschäfte trotz gesalzener Preise über ein geschätztes Potenzial von etwa sechs bis acht Millionen Kunden verfügen, führt zur Übernahme eines entsprechenden Sortiments durch überregionale Supermarktketten: Vollkornmehl, Müsli, ungeschälter Reis und verschiedene Getreidesorten gehören in zahlreichen Filialen neuerdings zum Standardangebot. Dass das Etikett »biologisch« häufig nur für eine clevere Verkaufsidee steht, spricht sich allerdings auch rasch herum.