Zunehmende Verarmung der Dritten Welt rückt in den Vordergrund

Politik und Gesellschaft 1984:

Die in fast allen lateinamerikanischen Staaten herrschenden innenpolitischen Schwierigkeiten haben ihre Ursache vorrangig in der hohen Verschuldung der einzelnen Staaten und den daraufhin vom Internationalen Währungsfonds auferlegten Spar- und Sanierungsmaßnahmen im Wirtschafts- und Sozialwesen. Die dadurch programmierte zunehmende Verarmung der Dritten Welt ist längst zu einem der internationalen Hauptprobleme avanciert. Trotz Entwicklungshilfe der Industrieländer gewinnen die Faktoren der Unterentwicklung immer stärkere Bedeutung: Bevölkerungsexplosion, Hunger, Analphabetismus, einseitige Produktionsstrukturen und politische Instabilität. Sie bestimmen das Dasein großer Teile der Menschheit in Südamerika, in weiten Gebieten Asiens und Afrikas. Alle bisherigen Konzepte der Industrienationen zur Beseitigung des Nord-Süd-Gefälles blieben bisher nicht nur erfolglos, sondern scheinen die Unterschiede zwischen den armen und reichen Ländern dieser Erde eher noch zu vertiefen. Nach Schätzungen des Weltkinderhilfswerks UNICEF leiden etwa 450 Millionen Menschen auf der Erde Hunger, etwa 150 Millionen Kinder sterben vor dem fünften Lebensjahr an den Folgen dauernder Unterernährung.