Computer auf Vormarsch

Wissenschaft und Technik 1985:

Im Alltag hält der Siegeszug der Kommunikations- und Datenverarbeitungselektronik an. Weltweit werden 1985 rund 2,5 Mio. Taschencomputer verkauft, und der internationale Markt auf dem Gebiet der modernen elektronischen Bürokommunikation hat einen Umfang von etwa 25 Mrd. US-Dollar (rd. 87 Mrd. DM) erreicht. Von der Elektronik-Entwicklung profitieren auch der Kraftfahrzeugsektor und die Weltraumforschung, deren Hauptaugenmerk sich 1985 auf die Einrichtung von Weltraumlabors, Satellitennavigationssystemen und das SDI-Projekt zur Atomraketenabwehr aus dem erdnahen Weltraum richtet (<!– 26.3.1985 –>). In der wissenschaftlichen Grundlagenforschung werden in verschiedenen Nationen vor allem die Weichen für eine intensivere Untersuchung subatomarer Zusammenhänge gestellt. Und aus der medizinischen Forschung sind Erfolge in verschiedenen Bereichen zu melden.

Glanzstück der Computertechnik in der Kraftfahrzeugbranche ist der nach siebenjähriger Bauzeit in Berlin-Marienfelde eingeweihte modernste Fahrzeugsimulator der Welt. Das 25 Mio. DM teure, 3,7 t schwere Großgerät von 7,4 m Durchmesser wird von sechs computergesteuerten Hydraulikbeinen in der Schwebe gehalten und lässt sich, den Aktionen des Fahrers im Cockpit folgend, in sechs Freiheitsgraden bewegen.

Die Computer halten jedoch auch Einzug in den Pkw. Erstmals liefern japanische und europäische Hersteller Serienautos mit eingebautem Bordcomputer, der auf Abruf zahlreiche Informationen wie Tageskilometerleistung, Durchschnittsgeschwindigkeit, momentanen und durchschnittlichen Treibstoffverbrauch anzeigt. Neu auf dem europäischen Pkw-Markt sind auch Katalysatoren zur Abgasreinigung, wie sie in den USA bereits seit vielen Jahren eingeführt sind.

Dass das seit Mitte der 70er Jahre immer stärker werdende Umweltbewusstsein in Europa nach schadstoffarmen Autos verlangt, äußert sich auch in einer Rallye besonderer Art in der Schweiz: Vom 25. bis 29. Juni gehen zahlreiche z.T. grotesk anmutende Solarmobile auf Tour. Im Durchschnitt sind sie langsamer als Fahrräder. Bei Bewölkung bleiben sie zum größten Teil stehen, und bergauf muss nicht selten geschoben werden. Noch im Versuchsstadium ist auch ein anderes Verkehrsmittel: Anlässlich ihres 150-jährigen Bestehens schickt die deutsche Eisenbahn einen »Intercity-Experimental« mit 350 km/h Höchstgeschwindigkeit auf Probefahrt. Weltweit profitiert der Verkehr, besonders die Schiff- und Luftfahrt, zunehmend von der Navigation mit Hilfe geostationärer Satelliten. Verbreitet in der Bundesrepublik Deutschland ist besonders der Satellitennavigator »MX 1142« zur Auswertung der Signale aus dem Orbit. Die Satellitennavigation erringt einen festen Platz besonders auch in der militärischen Luftfahrt sowie in der Raketensteuerung und spielt u.a. eine bedeutende Rolle im US-amerikanischen SDI-Projekt (Strategic Defense Initiative). Vorwiegend der Grundlagenforschung im erdnahen Weltraum dient die Mission des wiederverwendbaren US-Raumlabors »Spacelab« mit dem deutschen Astronauten Ulf Merbold an Bord, das am <!– 30. Oktober 1985–> in den Orbit geht. Europa hat dagegen erst mit dem Modell einer Raumstation aufzuwarten.

Im Zuge der Erforschung subatomarer Prozesse werden an verschiedenen Orten die Grundsteine für immer größere Teilchenbeschleunigeranlagen gelegt: Ein 50-GeV-Protonensynchrotron in Peking, ein 100-GeV-Protonensynchrotron in Batavia (USA), ein 2×50-GeV-Elektron-Positron-Speicherring in Genf und ein 2×400GeV-Proton-Proton-Speicherring in Brookhaven (USA).

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