Atomarer Niederschlag auch in Deutschland – trotzdem kein Ausstieg aus der Kernenergie

Politik und Gesellschaft 1986:

Schutzmasken, Tschernobyl-Sperrzone. Foto Alexander Blecher, blecher.info [CC BY-SA 3.0 de, CC BY-SA 4.0 oder GFDL], via Wikimedia Commons

Schutzmasken, Tschernobyl-Sperrzone. Foto Alexander Blecher, blecher.info [CC BY-SA 3.0 de, CC BY-SA 4.0 oder GFDL], via Wikimedia Commons

Der Atomunfall in Tschernobyl ist der erste, der staatenübergreifend schwere Folgen hat. Radioaktiv verseuchte Luftmassen breiten sich über weite Teile Mitteleuropas aus. Im Bereich der Bundesrepublik Deutschland misst man vor allem in Bayern stark erhöhte Werte von Radioaktivität. Auf Jahre hinaus werden hier erhöhte Strahlenwerte bei Waldpilzen und Wild festgestellt. Unklare und widersprüchliche Informationen über das Unglück und die davon ausgehende Gefährdung wecken unter der Bevölkerung auch in der Bundesrepublik große Ängste. Bislang fast unbekannte Begriffe wie »Restrisiko« und »Halbwertzeit« sowie eine Fülle von Maßeinheiten wie »Röntgen«, »rad«, »Gray«, »Sievert« und »Becquerel« sorgen für Verunsicherung.

Zwar erhält durch Tschernobyl die Diskussion über die Kernenergie eine neue Dimension, doch kein Land gibt diese Technik nach Tschernobyl auf, ordnet einen Baustopp oder ein Verbot der Inbetriebnahme neuer Kernkraftwerke an. Ein Ausstieg aus der Kernenergie wird mit Hinweis auf die schwerwiegenden Folgen für Wirtschaftswachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung abgelehnt.