Die Katastrophe von Tschernobyl erschüttert die Welt

Politik und Gesellschaft 1986:

Caesium-137-Kontamination im Jahr 1996 in Weißrussland, Russland und der Ukraine in Kilobecquerel pro Quadratmeter. By Sting Editors: Luxo, Devil m25, Enricopedia [CC BY-SA 2.5], via Wikimedia Commons

Caesium-137-Kontamination im Jahr 1996 in Weißrussland, Russland und der Ukraine in Kilobecquerel pro Quadratmeter. By Sting Editors: Luxo, Devil m25, Enricopedia [CC BY-SA 2.5], via Wikimedia Commons

Tschernobyl – der Name dieses ukrainischen Ortes rd. 130 km nördlich von Kiew wird am 26. April 1986 zum Symbol für die mangelnde Fähigkeit des Menschen, mit der von ihm geschaffenen Technik umzugehen. Wie Goethes »Zauberlehrling« experimentiert eine Bedienungsmannschaft so lange mit den atomaren Kräften, bis eine Explosion das Reaktorgehäuse zerstört, die Brennstäbe zu schmelzen beginnen und Radioaktivität in die Atmosphäre entweicht. Eine ganze Region wird durch den Super-GAU dauerhaft verstrahlt. Zwar wird der Unglücksreaktor unter großen Mühen in einem Beton- und Stahlmantel eingesargt, doch in seinem Innern strahlt er weiter. Der Reaktorblock 4 in Tschernobyl bleibt eine Gefahr für Mensch und Umwelt.

Über die voraussichtlichen langfristigen Folgen für die Gesundheit äußert sich Robert Gale, der im Mai 1986 zur Behandlung von strahlengeschädigten Personen nach Moskau geholte US-amerikanische Knochenmarkspezialist, einige Zeit später: »Wir haben vorausgesagt, dass es in den nächsten 50 Jahren infolge von Tschernobyl zwischen 2500 und 75 000 Krebstote geben wird … Wichtig bei allen diesen Folgen ist, dass nur etwa 40 % von ihnen in der Sowjetunion auftreten werden und 60 % außerhalb der Sowjetunion … Man kann irgendwann, irgendwo ein Plutoniumatom einatmen, das in Tschernobyl freigesetzt worden ist – und dieses Plutoniumatom könnte erst im Jahr 2000 schädlich werden. Ein einziges Plutoniumstäbchen, eine einzige geschädigte Zelle kann den Tod eines jeden von uns bedeuten.«