Erfolge der Raumforschung

Wissenschaft und Technik 1986:

Das größte Aufsehen auf naturwissenschaftlich-technischem Gebiet erregt 1986 die Raumforschung. Zwar macht sie auch negative Schlagzeilen, da am <!– –>28. Januar<!– –> das Spaceshuttle»Challenger« mit sieben Menschen an Bord 73 Sekunden nach dem Start explodiert, doch überwiegen die Erfolgsmeldungen. Einen Höhepunkt stellen die Flüge von fünf internationalen Raumsonden zum Kometen Halley dar, einen der Vorbeiflug der US-Raumsonde »Voyager 2« an Uranus am 24. Januar. »Voyager 2« gestattet erstmals einen Blick auf diesen fernen Planeten. Es gelingt, seine bisher nur grob geschätzte Rotationsperiode festzustellen (17,24 h). Überraschungen bietet die Entdeckung des unerwartet starken Magnetfelds von Uranus. Bestätigt wird die Existenz der neun Jahre zuvor von der Erde aus entdeckten Uranusringe. »Voyager 2« findet außerdem zehn bisher unbekannte Uranusmonde und liefert erstaunliche Details bezüglich des Mondes Miranda: Mit nur 480 km Durchmesser ist er zu klein für vulkanische Aktivitäten; dennoch weist seine Oberfläche eine große Vielfalt unterschiedlicher Strukturen auf. Die sowjetische Raumfahrt macht mit der Raumstation »Mir« (Frieden) von sich reden, einer verbesserten Version von »Saljut 7«. »Mir« ist die erste Station im Erdorbit, die ständig bemannt ist.

Neue Forschungssuperlative bescheren die Physiker. Die wichtigsten Erkenntnisse betreffen die Festkörperphysik: Der Schweizer Karl Alexander Müller und sein deutscher Kollege Johannes Georg Bednorz entdecken eine Oxidverbindung, die bereits bei 30 K (30 Grad über dem absoluten Temperaturnullpunkt) supraleitend ist, d.h. keinen elektrischen Widerstand mehr besitzt. Dieser Durchbruch ist wegweisend für die Entdeckung von vielen weiteren Hochtemperatur-Supraleitern bereits im Folgejahr und leitet eine neue Epoche in der Technik ein. Die beiden Physiker erhalten 1987 für ihre Arbeit den Nobelpreis.

Auf dem Gebiet der Experimentalphysik gelingt es im Oktober erstmals Wissenschaftlern der Universitäten Washington und Hamburg sowie des US-amerikanischen National Bureau of Standards, individuelle Quantensprünge (Energieniveauwechsel) bei einzelnen Atomen zu beobachten. Damit werden wichtige Grundaussagen der Quantenphysik bestätigt, die bisher nur theoretisch postuliert worden waren. Und die US-Wissenschaftler Steven Chu, John Bjorkholm, Alex Cable und Arthur Ashkin isolieren mit Hilfe des Laser-Strahlungsdrucks zum ersten Mal einzelne Atome.

Auf dem Elektroniksektor macht weltweit der 32-Bit-Chip »Intel 80386« von sich reden, der von der Firma Compaq erstmals als zentrale Recheneinheit für Computer eingesetzt wird und den bisherigen 16-Bit-Chips bei der Datenverarbeitungskapazität erheblich überlegen ist.

Ein Spezialgebiet bereichert der US-Erfinder Harold L. Dibble. Er entwickelt einen elektronischen Theodoliten, der exakt die dreidimensionale Position von Gegenständen registriert, wie Archäologen sie finden. Mit dem Computer gekoppelt, zeichnet das Gerät sehr schnell komplette Ausgrabungshorizonte auf.

Rasante Fortschritte spielen sich auf dem Gebiet der Genforschung und Gentechnik ab: Ein US-Forscherteam unter Leitung von Robert A. Weinberg meldet am 16. Oktober die Entdeckung eines Gens, das Krebswucherungen unterdrücken kann. Es ist das wachstumshemmende Gen, das die Wissenschaft kennt. Wichtig ist auch die Entdeckung jenes Gens, dessen Defekt zur tödlich verlaufenden Duchenne-Muskeldystrophie führt. Sie gelingt in den USA Louis Kunkel und seinen Mitarbeitern. Ein Novum in der Gentechnik stammt ebenfalls aus den USA: Die Food and Drug Administration lässt einen Impfstoff gegen Hepatitis B zu, der von Hefepilzen erzeugt wird. Es ist das gentechnisch produzierte Serum, das sich bei der Behandlung einer menschlichen Krankheit bewährt.