Kniekurz oder wadenlang

Mode 1986:

1986 ist die Mode-Vielfalt größer denn je. Die Rocklänge ist kein Modethema, kniekurz oder wadenlang herrschen nebeneinander. Kombinieren nach eigenem Geschmack ist angesagt.

Die neue Linie gehört dem kniekurzen, geraden Rock mit langem Blazer, so dass der Rock nur noch eine Handbreit zum Vorschein kommt. Sehr jugendlich wirkt ein kurzes Volantröckchen zum strengen Blazer, wie es Wolfgang Joop vorstellt. Die langen Oversize-Jacken ersetzen den Mantel. Andererseits tragen Mädchen zu langen grauen Mänteln die denkbar kürzesten Minis. Die Kombination von lang und kurz gab es ähnlich 1973. Sportiv wirken lange, taillierte Jacken mit breiten Schultern zu waden- bis knöchellangen Faltenröcken und flachen Schuhen. Hosenanzüge sind, wenn überhaupt, nur in sehr weiter Form aktuell.

Der immer wieder in Mode kommende Safari-Look erhält seine Inspiration durch den Film »Jenseits von Afrika« (<!– –>24.3.<!– –>). Buschhemden in Khaki werden zu schmalen, langen weißen Röcken oder Reithosen in Kamelfarben getragen. Dazu gesellt sich der Indien-Look, der die Sommermode durch seine losen, kühlen Leinenhemden immer wieder inspiriert. Daneben sind im Sommer aber auch lustige Millefleurs-Kleider mit weiten langen Röcken erlaubt. Pullover wirken durch auffallende Tiermotive wie Schlangen und Leoparden. Zur legeren Tagesmode sind Shirt- und Pulloverkleider sehr beliebt.

Ein jugendlicher Modetrend gilt der Naturverbundenheit, nach dem Motto: Einfach ist einfach schön! Jeans, Holzfällerhemden und grob gestrickte Pullover reduzieren die Bekleidung auf das Allernotwendigste. Die Farben wirken verhalten, streng und erdverbunden: Grau, Blau, Braun und Schwarz.

Elegante Kleider sind als Deux pièces gearbeitet mit drapiertem Oberteil und Wickelrock. Effekte kommen von Wasserfallnähten oder breiten Schärpen, die zu großen Schleifen gebunden werden. Das kleine Schwarze in schlichter gerader Form wird durch einen großen weißen Pierrot-Kragen zum Blickpunkt. Abendkostüme wirken besonders durch kurze, taillierte Jacken mit leicht abstehenden Schößchen.

Wichtig sind kräftige Farben und auffallende Blumenmuster. Auch Leder muss in Farbe sein, ist rot, lila oder grün, und es muss glänzen; metallische Effekte sind besonders gefragt. Daneben dominiert Gold: Goldene Slipper und Taschen auch zu Jeans, die überdies goldbestickt sind. Furore machen die Abendkleider des italienischen Designers Gianni Versace. Sie bestehen aus einem Geflecht kleiner geprägter Nickelscheiben, die mit Laserstrahl zu einem sogenannten Metalltrikot zusammengefügt werden. Auch seine Kleider aus Strassstickerei in Schwarzweiß-Optik sowie aus edelsteinfarbenem Seidentaft mit aufwendig bestickten asymmetrischen Korsagen erregen großes Aufsehen. Eine vollkommen neue Optik erhält die Bademode. Der hohe Beinausschnitt, erfunden von dem Griechen Nikos Apostolopoulos für Herrenslips, regt zu heftigen ästhetischen Diskussionen an.

Im Mittelpunkt der Modediskussionen aber steht der Mann. Androgyne Mode wird zum neuen Stichwort. Nach den Modeavantgardisten, allen voran der Pariser Jean-Paul Gaultier, trägt der gleichberechtigte Mann – der sog. »neue Mann« – einen Rock: Einen langen Nadelstreifwickelrock oder einen kniekurzen Pareo.

Der vielzitierte Yuppie, der »Young Urban Professional«, aber legt weiterhin Wert auf den gepflegten Anzug, farbiges Hemd mit weißem Kragen und weißen Manschetten sowie dezent gemusterter Krawatte.

Bisher war der Rock für den Mann vor allem beim schottischen Kilt bekannt und – als Standeskleidung und Symbol weltentrückter Würde – bei der Soutane katholischer Priester. Die Eroberung der männlichen Hose für die Frau war endgültig ab Mitte der 60er Jahre erfolgt, damals als Alternative zum beinfreien Minirock.