Altdeutsch weiterhin Trumpf:

Wohnen und Design 1987:

Die These, dass Möbel ebenso wie Architektur und Kunst Ausdruck ihrer Zeit seien, mag in Zweifel gezogen werden angesichts des allgemeinen, sich kaum verändernden Stils von Wohnungseinrichtungen. So mögen die Deutschen, in puncto Möbelkauf weltweit an der Spitze liegend, zum größten Teil keineswegs auf ihr altdeutsches Wohnzimmer verzichten.

Polstergarnitur, Schrankwand und Vitrinen in warmen Holztönen – oder für die Jüngeren auch etwas moderner, z.B. in Grau und Rot – gehören zum Standard.

Und das, obwohl ein Großteil der Bevölkerung in kleinen Wohnungen lebt. Selbst in den meisten Neubauten, von außen postmodern und großzügig anmutend gestaltet, sind Vierraumwohnungen selten größer als 80 m2. Da die Mieten seit Beginn der 80er Jahre gegenüber den allgemeinen Lebenshaltungskosten um das Doppelte gestiegen sind, könnten die meisten Familien mit Kindern auch kaum eine größere Wohnung bezahlen.

Wie eine Umfrage ergibt, bevorzugen aber trotz ungünstiger Raumsituation 60% der Befragten das altdeutsche, wuchtige Wohnzimmer. Etwa 15% mögen es repräsentativ, womit ein Rückgriff auf Antiquitäten oder einen historisierenden Möbelstil gemeint ist, und nur etwa 10% bekennen sich zu einem avantgardistischen Stil – wie immer der auch aussehen mag.