Berlin steht im Blickpunkt

Architektur 1987:

Beherrschendes Thema des Jahres 1987 ist der Abschluss der Internationalen Bauausstellung (IBA) in Berlin. Neben der »IBA-Alt«, die sich der Stadtsanierung verschrieben hatte, realisierten innerhalb der »IBA-Neu« namhafte Architekten aus aller Welt unter der Leitung von Josef Paul Kleihues ihre Vorstellungen von zeitgemäßem Städtebau.

Unterschiedliche Auffassungen treten nun, drei Jahre nach Beginn der Arbeiten, deutlich zutage: Postmoderne Konzepte wie die Hafenbebauung von Charles Moore oder das Wissenschaftszentrum von James Stirling konkurrieren mit ökologisch orientierten Projekten oder der Maschinenästhetik einer dampferähnlichen Phosphateliminationsanlage von Gustav Peichl. Daneben dürfte die Wiederentdeckung der Blockbebauung – demonstriert von Aldo Rossi und Rob Krier im Stadtteil Kreuzberg – zu den wichtigsten Errungenschaften der Ausstellung zählen.

Gemeinsames Merkmal aller Projekte ist die Bereitschaft der Planer, sich auf Geschichte und Individualität eines Ortes einzulassen.

Während die Postmoderne – nicht zuletzt durch die IBA – ihren weltweiten Siegeszug angetreten hat, formiert sich andernorts bereits Kritik an ihren pathetischen, oft allzu leeren historisierenden Formen: Mit Günter Behnischs Stuttgarter Hysolarinstitut, einem Zentrum zur Erforschung der Sonnenenergie, wird ein Trend vorweggenommen, der bald darauf in New York populär wird, der Dekonstruktivismus. Schräge, scheinbar der Statik widersprechende Formen und bunt zusammengewürfelte Materialien persiflieren heiter klassische Ausgewogenheit und technologische Präzision. Auch Rem Koolhaas’ Staatliches Tanztheater in Den Haag spielt mit neuen, verwirrend dynamischen Raumeindrücken; gekurvte Wände, geneigte Flächen und schräge Pfeiler vermitteln eine irrationale und dennoch poetische Atmosphäre, zu der auch die leuchtenden Farben des Interieurs ihren Beitrag leisten.

Von klassischer Schönheit ist Ieoh Ming Peis Bank of China Tower in Hongkong, ein technisches wie ästhetisches Meisterwerk, das gleichfalls 1987 fertiggestellt wird. Der 368 m hohe, sich nach oben verjüngende Bau ist aus mit Aluminiumtafeln verkleideten Prismen zusammengesetzt, die von fachwerkartig geführten Stahlrahmen zusammengehalten werden. Dank innovativer Technik konnte die schwierige Aufgabe bewältigt werden, in einer wind- und erdbebengefährdeten Region ein markantes Wahrzeichen zu setzen: Ähnlich dem Bambusrohr bezieht der Büroturm seine Festigkeit ausschließlich aus den Außenwänden, das innere ist frei von Stützen.