Der mysteriöse Tod des Ministerpräsidenten Uwe Barschel

Politik und Gesellschaft 1987:

Herausragendes innenpolitisches Ereignis des Jahres 1987 ist jedoch nicht das Verhältnis zur DDR, sondern die sog. Barschel-Pfeiffer-Affäre. Als am Vorabend der Wahlen zum Landtag von Schleswig-Holstein das Nachrichtenmagazin »Der Spiegel« einen Bericht über gegen den Sozialdemokraten Björn Engholm gerichtete Machenschaften von Ministerpräsident Uwe Barschel (CDU) veröffentlicht, kommt der größte Polit-Skandal der deutschen Nachkriegsgeschichte ans Licht. Immer neue Enthüllungen über Schmutzkampagnen, Abhöraktionen und Verleumdungen offenbaren einen Verlust an politischer Kultur, der in der Bundesrepublik ohne Beispiel ist. Barschel beteuert seine Unschuld, gerät jedoch durch Widersprüche und belastende Aussagen unter immer stärkeren Druck. Am 11. Oktober kommt der Politiker unter mysteriösen Umständen in Genf ums Leben. Ob er aus Verzweiflung den Freitod wählte oder – wie von seiner Familie vermutet – Opfer eines Mordanschlages wurde, kann nicht zweifelsfrei geklärt werden.