Erfolge bei der Forschung

Wissenschaft und Technik 1987:

Vor den Ergebnissen technischer Entwicklung rangieren 1987 die Erkenntnisse der Grundlagenforschung, besonders auf den Gebieten Festkörperphysik und Werkstoffkunde, Datenverarbeitung und Elektronik, Astro- und Geophysik. Das California Institute of Technology (»Caltech«) beginnt mit einer neuen Durchmusterung des nördlichen Sternhimmels mit neuem, superempfindlichem Filmmaterial. Dabei sollen erstmals Sterne erfasst werden, die nur ein Fünftel der Lichtstärke bisher fotografierter kosmischer Objekte besitzen.

Am 24. Februar entdecken Astronomen in der »nur« 170 000 Lichtjahre entfernten Großen Magellanschen Wolke das Entstehen einer Supernova. Die gigantische Explosion wird als 1987A bekannt.

Auf dem Pico Veleta in Südspanien nimmt das deutsch-französische Institut für Radioastronomie im Millimeter-Wellen-Bereich die bisher leistungsfähigste Radiosternwarte der Welt für Millimeter-Wellen in Betrieb.

In der Oberpfalz beginnen bei Erbendorf im Rahmen des Kontinentalen Tiefbohrprogramms der Bundesrepublik die Arbeiten zum Niederbringen des tiefsten Bohrloches der Welt. Beteiligt sind rund 350 Wissenschaftler aus aller Welt. Geplant ist eine Probebohrung, der ab 1990 eine 14 000 m tiefe Hauptbohrung folgen soll (sie wird später aber nur bis in rund 10 000 m Tiefe ausgeführt). Die Erdforscher erwarten von den Bohrkernproben und den Messdaten während der Bohrung Aufschlüsse hinsichtlich der Entstehung der Kontinentalschollen. Bislang ließen sich so tiefe Schichten nur u.a. durch Echolotungen erforschen.

In den USA nimmt am 9. März ein neuartiger Supercomputer, »Numerical Aerodynamic Simulation Facility«, der für Simulationen bestimmt ist, seine Arbeit auf. Er erreicht Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 1,72 Mrd. Rechenoperationen pro Sekunde.

Wichtig auf dem Gebiet der physikalischen Chemie, zugleich aber auch von eminenter technischer Bedeutung ist die Entdeckung von keramischen Supraleitern durch den schweizerischen Physiker Karl Alex Müller und seinen deutschen Kollegen Johannes Bednorz. Entgegen den bisher allein bekannten metallischen Supraleitern, die ihren elektrischen Widerstand erst in der Nähe des absoluten Temperaturnullpunktes verlieren, werden die von den beiden Forschern untersuchten Keramiken (Metalloxide) schon bei einer Temperatur von 30 K supraleitend. Eine sofort einsetzende weltweite Suche nach ähnlichen Stoffen führt bereits im selben Jahr zu Oxidkeramiken, die schon zwischen 90 und 120 K supraleitend werden. Sie lassen sich erstmals großtechnisch sinnvoll mit flüssigem Stickstoff (77 K) kühlen und eröffnen Perspektiven für superschnelle Computer oder für extrem verlustarme Magnetschwebe-Verfahren.

In der Pharmazietechnik macht weltweit ein 60 000 Liter fassender Großfermenter Schlagzeilen, den die Hoechst AG in Frankfurt am Main installiert. In ihm können gentechnisch veränderte Escherichia-coli-Bakterien in großen Mengen Humaninsulin herstellen. Während Diabetes-Patienten dringend auf das bisher nur aus dem menschlichen bzw. tierischen Organismus gewinnbare Insulin warten, untersagt die hessische Landesregierung jahrelang die Betriebserlaubnis für die biologische Produktionsanlage.