Sozialistische Länder wehren sich gegen Umgestaltung

Politik und Gesellschaft 1987:

In den »sozialistischen Bruderländern« der Sowjetunion stößt Gorbatschows Reformkurs auf Ablehnung. Die DDR-Führung, bislang ein treuer Vasall Moskaus, hält nichts von einer Übernahme der Perestroika. Dabei hätte sie allen Anlass, eine grundlegende Änderung ihrer Politik vorzunehmen. Katastrophale wirtschaftliche Verhältnisse, unverändert hohe Flüchtlingszahlen und eine erstarkende, sich unter dem schützenden Dach der Kirchen formierende Oppositionsbewegung wären Grund genug, die eigenen politischen Positionen infrage zu stellen.

Die Bundesrepublik versucht, sich mit den deutsch-deutschen Realitäten zu arrangieren. Sowohl die christlich-liberale Regierung als auch die sozialdemokratische Opposition ist um einen Dialog mit Ostberlin bemüht. Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) verhilft der DDR zu einem Prestigegewinn, indem er im September 1987 den Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker mit militärischen Ehren in Bonn zu einem offiziellen Besuch empfängt. Wenige Tage zuvor hatte die SPD versucht, in einem umstrittenen Grundsatzpapier Gemeinsamkeiten mit der SED zu finden.