Volkszählung wird durchgeführt – Krise im Ruhrgebiet, Kursrutsch an den Börsen

Politik und Gesellschaft 1987:

Unruhe in die innenpolitische Landschaft der Bundesrepublik bringt die Volkszählung, die 1983 aus Gründen des Datenschutzes abgesagt werden musste und nun im Mai stattfindet. Den totalen Überwachungsstaat fürchtend, rufen die Grünen zum landesweiten Boykott auf, gegen den die Bundesregierung hohe Strafen androht. Die Volkszählung selbst verläuft ohne gravierende Störungen. Allerdings bleibt offen, ob die mit einem riesigen finanziellen Aufwand durchgeführte Zählung tatsächlich den erhofften Nutzen für die bildungspolitischen, wirtschaftlichen und sozialen Planungen erbringt.

Sorge bereitet die sich verschärfende Lage auf dem Arbeitsmarkt. In den von Bergbau und Stahlerzeugung geprägten Regionen müssen immer mehr Betriebe schließen. Besonders betroffen ist das Ruhrgebiet, wo allein in der Metallindustrie seit 1980 rund 60 000 Arbeitsplätze abgebaut wurden. Als im Dezember 1987 Pläne für die Schließung des Stahlwerkes in Duisburg-Rheinhausen bekanntwerden, kommt es zum Massenstreik: Rund 100 000 Beschäftigte protestieren mit Arbeitsniederlegungen, Demonstrationen und Blockaden gegen die Absichten des Krupp-Konzerns.

Auch weltweit gerät die Wirtschaft in eine Krise – wenn auch nur kurzfristig: Am 19. Oktober, der später den Beinamen Schwarzer Montag erhält, kommt es an den Börsen zu einem drastischen Kursverfall. Innerhalb weniger Stunden verlieren die Aktien im Durchschnitt knapp 25 % ihres Wertes. Für die Anleger bedeutet dies Verluste in Milliardenhöhe. Die Befürchtung, der Börsencrash könnte ähnlich wie der Schwarze Freitag 1929 den Beginn einer tiefgreifenden Weltwirtschaftskrise markieren, bestätigt sich jedoch nicht.