Fernreisen immer beliebter

Urlaub und Freizeit 1988:

Die Reiselust der Bundesbürger ist ungebrochen. Im Jahr 1988 geben sie für ihren Urlaub 44 Mrd. DM aus (1987: 42 Mrd. DM). Damit liegt die Bundesrepublik Deutschland wie bereits in den vorangegangenen Jahren im internationalen Vergleich an der Spitze.

Besonders begehrt sind Reisen ins Ausland. 1988 verbringen 57% der Bundesbürger über 14 Jahren ihren Urlaub jenseits der deutschen Grenzen. Die beliebtesten Reiseziele sind wie in den vorangegangenen Jahren Italien, Österreich und Spanien. In diesen drei Ländern geben die Deutschen 1988 fast 20 Mrd. DM aus – für die betreffenden Länder ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

Voll im Trend liegt der Ferntourismus. Immer mehr Deutsche unternehmen eine Reise, die sie in andere Kontinente führt. Besonders begehrt sind die USA. Bedingt durch günstige Wechselkurse und sinkende Flugpreise ist ein Urlaub im Land der unbegrenzten Möglichkeiten in den letzten Jahren erschwinglich geworden. So ist ein Kurzurlaub in New York bereits für weniger als 1000 DM zu haben.

Einen regelrechten Reise-Boom erleben Länder der sog. dritten Welt. Nicht wenige Staaten der Karibik, in Mittelamerika, Asien oder Afrika erzielen bereits einen Großteil ihrer Einnahmen aus dem Tourismus. Allerdings hat dieser Boom auch Schattenseiten. Während die Gewinne häufig in der Hand weniger, z.T. ausländischer Gesellschaften verbleiben, muss die einheimische Bevölkerung steigende Preise für Lebensmittel und Grundstücke hinnehmen. Darüber hinaus begeben sich die betreffenden Staaten häufig in eine gefährliche Abhängigkeit: Industrialisierung und Landwirtschaft werden zugunsten des Tourismus vernachlässigt.

Für die Bundesbürger gewinnt der Umweltaspekt an Bedeutung. 1988 fühlen sich bereits knapp 50% der deutschen Touristen am Urlaubsort von Umweltproblemen gestört (1985: 25%). Bemängelt werden vor allem verschmutzte Strände und Gewässer sowie die durch klotzige Hotelanlagen verschandelte Landschaft. Die Zustände in den großen Urlaubszentren sind z.T. bereits unerträglich geworden. So kommt es an der italienischen Adria im Sommer 1988 zu einer Algenpest, die das Baden zu einem zweifelhaften Vergnügen werden lässt Viele Urlauber stornieren daraufhin ihre Buchungen. Das Ausbleiben der Touristen bringt zahlreiche italienische Hoteliers und Restaurantbesitzer an den Rand des Ruins. Aber auch in der Bundesrepublik zeigt der fortschreitende Raubbau an der Natur Folgen. Am 6. September muss die Kurverwaltung der Nordseeinsel Norderney Badeverbot wegen Salmonellenverseuchung aussprechen.

Eine verbraucherfreundliche Entscheidung fällt im Mai 1988 das Bundeskartellamt in Berlin. Es untersagt die sog. Ausschließlichkeitsbindung, mit der Reisebüros an einen bestimmten Veranstalter gebunden werden. In den letzten Jahren hatte die Zahl der deutschen Reisebüros, die Angebote von mit dem Vertragsunternehmen konkurrierenden Veranstaltern nicht verkaufen, stetig zugenommen. Das Bundeskartellamt sieht darin eine unzulässige Beeinträchtigung des Wettbewerbes. Die Ausschließlichkeitsbindung verhindere den Markteintritt der übrigen Anbieter und verstoße darüber hinaus gegen das Interesse des Verbrauchers. Ein Reisebüro müsse seinem Kunden das gesamte in der Bundesrepublik Deutschland verfügbare Veranstaltungsangebot bieten.