Frieden am Persischen Golf, in Nicaragua und in Afghanistan

Frieden am Persischen Golf, in Nicaragua und in Afghanistan
95.000 iranische Kindersoldaten wurden Opfer während des Iran-Irak-Kriegs, meist im Alter zwischen 16 und 17, einige noch jünger. See page for author [GFDL or CC BY-SA 4.0-3.0-2.5-2.0-1.0], via Wikimedia Commons

Politik und Gesellschaft 1988:

1988 ist ein Jahr wichtiger Friedensschlüsse. Der Iran und der Irak stellen nach acht Jahren Krieg auf Vermittlung der Vereinten Nationen die Kampfhandlungen ein. UN-Generalsekretär Javier Pérez de Cuéllar ist es durch hohen persönlichen Einsatz gelungen, einen Krieg zu beenden, der mit großer Rücksichtslosigkeit – nicht zuletzt gegenüber der Zivilbevölkerung – geführt wurde. Nach inoffiziellen Schätzungen forderte der Golfkrieg über 800 000 Todesopfer. Weltweite Empörung rief der Einsatz von Giftgas durch den irakischen Diktator Saddam Hussein hervor. Eine fragwürdige Rolle in dem Konflikt spielten die USA, die dem Irak aus Sorge vor einer Ausbreitung des iranischen Fundamentalismus lange Zeit den Rücken stärkten.

In einer anderen Weltregion, in Mittelamerika, schließen die linksgerichtete Regierung Nicaraguas unter Daniel Ortega Saavedra und die von den Vereinigten Staaten massiv unterstützten Contra-Rebellen einen längerfristigen Waffenstillstand. Beide Parteien sind zu weitgehenden Zugeständnissen bereit, um das vom jahrelangen Bürgerkrieg zerrüttete Land vor einer wirtschaftlichen und politischen Katastrophe zu bewahren.

Auch der Afghanistankrieg, der seit dem Einmarsch sowjetischer Truppen 1979 das Ost-West-Verhältnis stark belastet hatte, wird mit Unterzeichnung eines Friedensabkommens beendet. Allerdings bildet der Rückzug der Sowjets nur den Auftakt zu einem blutigen Bürgerkrieg zwischen rivalisierenden Moslemgruppen. Dass die Sowjetunion ihren Militäreinsatz aufseiten des kommunistischen Regimes in dem vorderasiatischen Staat beendet, ist insbesondere das Verdienst von Parteichef Michail Gorbatschow und bezeichnend für seinen außenpolitischen Entspannungskurs. So ermöglicht das »neue Denken« in Moskau im Frühjahr 1988 auch die Ratifizierung des US-amerikanisch-sowjetischen INF-Vertrages über den vollständigen Abbau atomarer Mittelstreckenraketen in Europa. Dabei handelt es sich um das erste Abrüstungsabkommen, das diesen Namen wirklich verdient. Bislang hatten die starren Fronten während des Kalten Krieges lediglich Rüstungsbegrenzungs- oder Kontrollabkommen zugelassen.

In seinem eigenen Staat sieht sich Gorbatschow jedoch dramatisch wachsenden Problemen gegenüber. Die schwelenden Nationalitätenkonflikte in der Sowjetunion brechen vor allem im Kaukasus offen aus. Um die Region Berg-Karabach liefern sich Armenier und Aserbaidschaner blutige Kämpfe. Die Risse im sowjetischen Imperium werden tiefer. Bei der Durchsetzung seiner »Perestroika«-Politik, die eine grundlegende Umgestaltung der UdSSR zum Ziel hat, stößt Parteichef Gorbatschow auf massiven Widerstand altkommunistischer Apparatschiks. Zwar kann er seine Machtposition durch zusätzliche Übernahme des Präsidentenamtes ausbauen, politische Beobachter beurteilen jedoch die Erfolgschancen Gorbatschows äußerst skeptisch.