Innenstädten droht Kollaps

Verkehr 1988:

Der Bestand an Kraftfahrzeugen nimmt besorgniserregende Ausmaße an: 1988 sind in der Bundesrepublik rund 28,8 Mio. Pkw und etwa 1,3 Mio. Lkw zugelassen. Für die Jahrtausendwende wird bereits mit einem Pkw-Bestand von mehr als 30 Mio. gerechnet.

Um den drohenden Verkehrskollaps zu verhindern, ergreifen Bund, Länder und Gemeinden eine Reihe von – wenn auch halbherzigen – Maßnahmen. So wird der weitere Ausbau des Fernstraßennetzes gedrosselt. Um die Autofahrer zum Umstieg auf die Bundesbahn zu bewegen, soll die Attraktivität des Schienenverkehrs erhöht werden. Dazu dienen vor allem der Bau von ICE-Hochgeschwindigkeitsstrecken und die 1988 erfolgte Einführung des sog. InterRegio-Netzes, das rund 200 größere Ortschaften verbindet und Anschluss an die bestehenden InterCity-Strecken bietet. Auf kommunaler Ebene werden zunehmend verkehrsberuhigte Zonen eingerichtet. Gleichzeitig bemühen sich die Städte und Gemeinden, durch neue Angebote den öffentlichen Nahverkehr zu fördern. So führen die Städte Bremen, Freiburg und Kiel verbilligte Ökotickets (Umweltkarten) ein.

Große Hoffnungen setzen die Verkehrsplaner in neue Technologien zur Regelung des Verkehrs. Der Volkswagen-Konzern stellt 1988 mit dem sog. Convoi-Pilot ein neuartiges elektronisches Leitsystem für Pkw auf Autobahnen vor. Im Rahmen des EG-Forschungsprogramms EUREKA arbeiten rund 300 Wissenschaftler, Techniker und Ingenieure unter dem Projektnamen »Prometheus« an einem System zur Überwachung und Steuerung des Verkehrs mit Hilfe von in Straßen und Autos eingebauten, miteinander vernetzten Sonden.

Praktikabel sind derartige Anlagen jedoch noch nicht. Nach Ansicht von Umweltschützern ist daher ein radikales Umdenken in der Verkehrspolitik das einzig taugliche Mittel zur Vermeidung des Verkehrskollaps’. Sie befürworten u.a. eine drastische Erhöhung der Mineralölsteuer sowie Maßnahmen zur Verlagerung des Lastverkehrs auf die Schiene.

Ebenso wie der Straßenverkehr scheint auch die Luftfahrt in der Bundesrepublik die Kapazitätsgrenze erreicht zu haben. 1988 befördern die europäischen Fluggesellschaften rund 137 Mio. Passagiere, das entspricht gegenüber dem Vorjahr einer Steigerung von 5%. Vor allem die Flughäfen Frankfurt am Main, Düsseldorf und München sind völlig überlastet. Verspätungen, unzumutbare Lärmbelästigungen der Anwohner und eine unverhältnismäßig hohe Belastung der Umwelt gehören zum Alltag.