Fleisch gerät weiter in die Schlagzeilen

Ernährung, Essen und Trinken 1990:

»Wer Rindfleisch ißt spielt russisches Roulette«, erschreckt Heino Diringer, Virologe vom Bundesgesundheitsamt, die Verbraucher. Es geht ihm um die in Großbritannien grassierende Rinderseuche BSE (Bovine Spongiforme Enzephalopathie). Die Experten können nicht ausschließen, dass »Rinderwahnsinn« auch auf den Menschen übertragen werden kann. Immer wieder wird dabei die tödliche Creutzfeldt-Jakob-Krankheit mit BSE in Verbindung gebracht.

Seit dem ersten Auftreten der Seuche 1985 sind ca. 20 000 britische Rinder an der Seuche gestorben. Da sich die Diskussion um die Krankheit 1990 verstärkt, beeilen sich die großen Lebensmittelketten mit der Erklärung, in ihrem Sortiment befinde sich kein Fleisch von der Insel.

Im Juni ruft die Verbraucherinitiative Bonn zum Boykott auf. Die Politik entscheidet aber anders: Die Landwirtschaftsminister der EG einigen sich darauf, Fleisch aus Großbritannien weiterhin zuzulassen, selbst wenn es von BSE-befallenen Herden stammt. Nur die Knochen und das sichtbare Nerven- und Lymphgewebe müssten entfernt werden. Kritiker bezweifeln aber, dass diese Vorgaben in einer Großschlachterei erfüllt werden können. Zudem verweisen sie darauf, das weder Krankheitserreger, noch das Gewebe, in das sie sich einlagern, bekannt sind.