Golfkrieg ändert Ferienpläne

Urlaub und Freizeit 1991:

Politik und Umweltschutz haben 1991 großen Einfluss auf die Reiseziele der Deutschen. Zum einen müssen nach dem Golfkrieg (<!– –>28.2.<!– –>) alle Länder dieser Region drastische Rückgänge im Tourismusgeschäft hinnehmen. Zum anderen sehen die Feriengäste nicht länger über Umweltsünden hinweg und wenden sich Urlaubsorten mit möglichst intakter Natur zu, auch wenn sie dafür mehr bezahlen müssen.

Deutlich weniger Urlauber steuern 1991 Ägypten, die Türkei, Zypern oder auch Griechenland an, und auch vom Kriegsschauplatz weiter entfernte arabische Länder wie Tunesien und Marokko müssen Einbußen verkraften. Viele Reiseveranstalter reagieren auf die Situation, indem sie ihren Kunden, die eine Reise in die fraglichen Gebiete geplant haben, großzügigere Rücktritts- oder Umbuchungsmöglichkeiten einräumen.

Aus Angst vor Flugzeugentführungen, wie sie der Irak nach dem verlorenen Krieg angekündigt hat, steigen viele außerdem auf Ziele um, die mit Auto oder Bahn zu erreichen sind. Davon profitieren die deutschen Urlaubsgebiete besonders stark. An Nord- und Ostsee sind die meisten Ferienorte schon im Februar ausgebucht. Aber auch die skandinavischen Länder, Irland, die Schweiz und Österreich sind bei den deutschen Urlaubern in diesem Jahr beliebt.

Immer größere Sensibilität entwickeln die deutschen Urlauber in puncto Umwelt. Der Mittelmeerraum hat in dieser Hinsicht einiges nachzuholen. Ölverschmutzungen im Meer und an den Stränden, unzureichende Abwässerreinigung, Waldbrände und Wasserknappheit haben in den letzten Jahren vielen Feriengästen den Aufenthalt verleidet – sie kehren nun der Region den Rücken. Gefragt sind dafür diejenigen Gebiete, die eine weitgehend intakte Umwelt aufzuweisen haben. Unter den weiter entfernten Zielen ist Sansibar der Renner.

Unter Umweltschützern wird der Trend zu mehr Naturnähe skeptisch betrachtet. Zwar gilt es als erfreulich, dass das veränderte Tourismusverhalten die Verantwortlichen in den klassischen Urlaubsregionen zum Umdenken zwingt, andererseits wird aber befürchtet, dass bisher fast unberührte Gebiete einen Touristenboom nicht verkraften und auch dort massive Schäden entstehen könnten.

Neben Klassikern wie Bade- oder Wanderurlaub ist der Trend zu Aktivferien weiter ungebrochen. Rafting – Schlauchbootfahren auf möglichst wilden Gewässern –, Kajakfahren in reißenden Bächen, aber auch Touren mit dem Liegerad finden immer mehr Anhänger. Die neue Art des Radwanderns erfordert größeres Geschick beim Lenken und Balancehalten, strapaziert aber Rücken und Gesäß weit weniger als das Radeln mit herkömmlichen Fahrrädern.

Auch im Winter ist mehr Abenteuer gefragt. Snowboardfahrer, die in den 80er Jahren zunächst nur vereinzelt auf den Pisten zu sehen waren, sind inzwischen mancherorts gegenüber den Skifahrern bereits in der Mehrzahl.

Körperliche Betätigung wird auch außerhalb des Urlaubs bei vielen Bundesbürgern groß geschrieben Schwimmen, Wandern, Gymnastik und Rad fahren sind zwar immer noch die gängigsten Methoden, um in Bewegung zu bleiben, eine wachsende Zahl von Menschen sucht jedoch Betätigung in Fitnessstudios Auf der Messe für Fitness und Bodybuilding in Essen werden eine Reihe neuer Geräte präsentiert, die ihre Benutzer dem gewünschten Bodystyling näher bringen sollen. Zu sehen sind u.a. »StairMaster«, eine Maschine zum Simulieren von Treppensteigen, »Aerotrimm«, eine Variante des Rhönrades, und ein gebogenes Solarium, das beim Bräunen größere Bequemlichkeit verspricht.

Bei Kindern und Jugendlichen kommen vor allem die Finger zum Einsatz. Der Gameboy, seit 1990 auf dem deutschen Markt, findet reißenden Absatz. Allein in den fünf Monaten nach Markteinführung gingen 400 000 Exemplare des Videospielgeräts im Taschenformat über die Ladentische.