Konturen des neuen Europas zeichnen sich ab

Politik und Gesellschaft 1991:

1991 gewinnt das neue Europa seine Konturen. Zwei Jahre nach der Wende 1989, dem Ende der sowjetischen Hegemonie über Osteuropa und dem Fall der Berliner Mauer, werden allmählich die Perspektiven deutlich, welche die Entwicklung Europas und der Welt bis zum Jahr 2000 bestimmen werden. Die Aussichten sind zwiespältig: Einerseits zeitigen die Anstrengungen für eine engere wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit in Europa bedeutende Erfolge, andererseits brechen künstlich geschaffene Staatengebilde, die lange stabil erschienen, auseinander, und kaum zu bewältigende Nationalitätenkonflikte beherrschen das Bild.

Im Dezember beschließen in der niederländischen Stadt Maastricht die Staats- und Regierungschefs der zwölf EG-Staaten die Überleitung der Gemeinschaft in eine Europäische Union (EU), die – nach Überwindung einiger Hürden – 1993 wirksam wird. Bis zum Ende des Jahrhunderts soll überall in der Gemeinschaft eine einheitliche Währung gelten. Das Ziel, einen europäischen Bundesstaat zu schaffen, hat die Gemeinschaft aufgrund britischer Widerstände ad acta gelegt.