Rezession schlägt durch

Auto und Verkehr 1991:

Die Weltproduktion an Automobilen geht 1991 um 4,9% zurück. Von dieser negativen Entwicklung sind praktisch alle Produktionsländer mit Ausnahme Deutschlands und Spaniens betroffen; die Spanier können ihren Marktanteil auf 5% steigern und rangieren nun sogar vor Italien.

Der Zuwachs in Deutschland ist eine Folge der Vereinigung, die zudem bewirkte, dass es mit 35,5 Mio. Stück zum Land mit dem weltweit höchsten Gesamtbestand an Kraftfahrzeugen hinter den USA aufgestiegen ist. Beim Motorisierungsgrad rutschte Deutschland allerdings infolge des Zusammenschlusses vom auf den sechsten Rang ab.

Die Produktionseinbußen in den USA stehen im Zusammenhang mit der allgemeinen Rezession, doch liegt hier auch der Marktanteil japanischer Fahrzeuge mit 30% unverhältnismäßig hoch. Eine Neustrukturierung der Produktionsprogramme bei den US-Unternehmen soll hier Abhilfe schaffen. Japan selbst hat ebenfalls empfindliche Produktionsrückgänge zu verzeichnen – nicht zuletzt eine Folge des Facharbeitermangels aufgrund von Arbeitszeitverkürzungen.

Alle Großen der Automobilindustrie müssen Einbußen hinnehmen; eine Ausnahme stellt lediglich die VW-Gruppe dar, die einen Anstieg um 2,1% verbucht. Auf dem Weltmarkt verdrängt Toyota Ford vom auf den dritten Platz, während General Motors den Spitzenrang hält.

In der Automobiltechnik geht der Trend in gegenläufige Richtungen. Einerseits heißt die Parole weiterhin »Verbrauchsminderung«, wobei der Dieselmotor im Vergleich zum Benzinmotor die Nase vorn hat; der Verbrauch hat beim Diesel teilweise die Fünf-Liter-Marke erreicht. Marktführer in der Dieselmotorenproduktion sind Peugeot und Renault.

Andererseits hält das Streben nach Luxus und Leistung an, wie u.a. die neue Mercedes S-Klasse belegt, insbesondere der 600er, der mit einem neu konzipierten V-12-Zylinder-Motor ausgerüstet ist. Gerade diese Ausführung erntet aber auch – trotz hoher Perfektion – Kritik: Vielen erscheint der technische Aufwand nicht mehr zeitgemäß.

Die Mehrventiltechnik erfreut sich weiter großen Zuspruchs seitens der Konstrukteure und auch der Käufer. Sie weitet sich – Beispiel: Citroën – auf den Dieselsektor aus. VW stellt mit dem außerordentlich kurz bauenden VR-6-Motor – mit einem Gabelwinkel von nur 15° – ein zukunftsträchtiges Konzept vor. Das Schubgliederbandgetriebe, ursprünglich von DAF entwickelt, ermöglicht eine stufenlose Automatikschaltung und wird von Fiat, Lancia, Ford und Subaru eingesetzt. Vermehrt erscheinen Fahrzeuge mit sog. Hybrid-Antrieb, der eine Kombination von Verbrennungsmotor für Fernfahrten und Elektromotor für den Stadtverkehr bietet. Eine gewisse Vorreiterrolle übernimmt in diesem Bereich VW. Die Modellpolitik ist insgesamt eher durch Traditionsbewusstsein als durch Neuerungen bestimmt. So präsentiert VW von seiner Golf-Erfolgsserie die dritte Version. Fiat greift mit dem Cinquecento auf einen alten Namen zurück. Der italienische Konzern bereichert damit nicht nur das internationale Kleinwagenangebot, sondern trifft mit der ausschließlichen Produktion in einem polnischen Werk auch eine mutige Entscheidung.

Auferstehung feiert die Traditionsmarke Bugatti, die allerdings mit dem ruhmreichen Vorgänger nur den Namen gemein hat und nun statt in Frankreich in Italien produziert wird.

Porsche lässt auf den 944er den Typ 968 folgen und setzt damit weiter auch auf ein Modell mit vorn angeordnetem Motor. Opel schickt den Kadett-Nachfolger Astra und den Manta-Ersatz Calibra ins Feld, wie auch den von Isuzu in England gebauten Geländewagen Frontera. Das von Seat unter VW-Regie entwickelte Modell erhält den Namen Toledo.

Frankreich stellt mit dem Renault Clio wiederum das von einer internationalen Motorjournalisten-Jury gewählte »Auto des Jahres«.