Gute Aussichten für schaumstabiles Bier

Ernährung, Essen und Trinken 1992:

Den Vorreiter spielen die USA, als Vizepräsident Dan Quayle Ende Mai Erleichterungen für die Zulassung genmanipulierter Produkte bekanntgibt. Mitte des Jahres geht auch die Kommission der Europäischen Gemeinschaft einen ähnlichen Weg.

In der EG sollen Kunstspeisen nur noch dann besonders überprüft werden, wenn sie eine »fundamentale Veränderung« in Zusammensetzung oder Nährwert durchgemacht haben. Das aber, so Gen-Ingenieure gegenüber dem Nachrichtenmagazin »Der Spiegel«, ist nur selten der Fall. Also heißt es auch in Europa weitgehend: freie Bahn dem »Novel Food« (neuartige Nahrung).

Ob »schaumstabiles« Bier, sich selbst konservierende Milch oder zuckersüße Kartoffeln – der Fantasie sind beim Essen der Zukunft keine Grenzen gesetzt. Obwohl die Auswirkungen genmanipulierter Nahrungsmittel noch kaum erforscht sind, wird in den USA bereits eine Supertomate als erstes Produkt angekündigt.

Der Industrie winkt damit ein gigantischer Zukunftsmarkt. Bis zum Jahr 2000 sollen die Umsätze im Gen-Bereich auf 160 Mrd. DM gesteigert werden. Die Verbraucher müssten den Plänen zufolge mitmachen, da die Kommissare auf eine Kennzeichnung des »Novel Foods« verzichten wollen.

Zuvor müssen die nationalen Parlamente die EG-Verordnung allerdings erst noch genehmigen. Dabei wird in der BRD neben den liberalen Zulassungsbedingungen vor allem die fehlende Kennzeichnung kritisiert. So warnt der Allergiker- und Asthmatikerbund davor, dass genmanipulierte Lebensmittel Allergien auslösen könnten.