Weitere Kämpfe in Bosnien, gescheiterter Putsch in Moskau

Politik und Gesellschaft 1993:

In Bosnien-Herzegowina dagegen ist ein Ende der Kämpfe nicht in Sicht. Friedenspläne, die von den Vermittlern David Owen, Cyrus Vance und dessen Nachfolger Thorvald Stoltenberg vorgelegt werden, scheitern zumeist am Widerstand der bosnischen Serben. Serbenführer Radovan Karadžic und seine Generäle setzen auf militärische Stärke und verschärfen den grausamen Bürgerkrieg auf dem Balkan. Im Mai 1993 beschließt die UNO angesichts des Kriegselends der Zivilbevölkerung die Einrichtung von mehreren Schutzzonen, darunter die bosnische Hauptstadt Sarajevo, die von Blauhelmsoldaten gesichert werden sollen.

Mit Sorge blickt die Welt auch nach Russland. Dort sieht sich Präsident Boris Jelzin wachsendem innenpolitischem Druck ausgesetzt. Anfang Oktober 1993 mündet der Widerstand gegen Jelzin und seine Reformpolitik in einen Putschversuch des von Reformgegnern beherrschten Parlaments, der jedoch von Regierungstruppen rasch niedergeschlagen wird. Die Position Jelzins, in dem der Westen den wichtigsten Garanten für eine Fortführung der Reformen sieht, ist dadurch zwar gestärkt, bei den Parlamentswahlen im Dezember 1993 triumphiert jedoch der Ultranationalist Wladimir Schirinowski, der durch seine Ausfälle vor allem in den Nachbarstaaten Ängste vor einer russischen Aggressionspolitik weckt.