Kriegsende in Bosnien, aber keine Entwarnung auf dem Balkan

Kriegsende in Bosnien, aber keine Entwarnung auf dem Balkan
Massaker von Srebrenica während des Bosnienkriegs: Begräbnis von 465 identifizierten Massakeropfern 2007. I, Pyramid [GFDL, CC-BY-SA-3.0 or FAL], via Wikimedia Commons

Politik und Gesellschaft 1995:

Das Ende des Krieges in Bosnien, der Amtswechsel im Pariser Élysée-Palast, der mühsame Friedensprozess im Nahen Osten, die Proteste engagierter Umweltschützer gegen die Verseuchung der Nordsee und die unterirdischen Atomversuche im Südpazifik – dies sind nur einige Themen und Ereignisse, welche die Menschen im Jahr 1995 bewegen.

Nicht die diplomatischen Bemühungen der Europäischen Union und der Vereinten Nationen, sondern das militärische Eingreifen der NATO zwingt nach mehr als vier Jahren Krieg und über 250 000 Todesopfern die Konfliktparteien in Bosnien an den Verhandlungstisch. Noch im Mai und Juli sieht die Staatengemeinschaft hilflos zu, wie die bosnischen Serben Blauhelmsoldaten als Geiseln nehmen und die UNO-Schutzzonen Srebrenica und Žepa überrollen. Einen Raketenangriff auf einen Marktplatz in Sarajevo, bei dem am 28. August 37 Menschen sterben, beantworten die NATO-Luftflotte und die zum Schutz der Blauhelme nach Bosnien entsandte Multinationale Brigade dann aber zwei Tage darauf mit massiven Angriffen auf serbische Stellungen. Gleichsam im Windschatten der NATO-Luftangriffe eröffnen bosnische Regierungstruppen und kroatische Verbände eine Offensive und bringen rd. zwei Drittel des bosnischen Territoriums unter ihre Kontrolle. Nachdem bereits im Mai und im August die kroatische Armee das Gebiet der selbst ernannten Republik Serbische Krajina erobert hat, müssen die bosnischen Serben widerstrebend den Friedensvertrag akzeptieren, den der serbische Präsident Slobodan Miloševic auch in ihrem Namen aushandelt. Das Abkommen wird am 21. November in Dayton (US-Bundesstaat Ohio) paraphiert und am 14. Dezember in Paris unterzeichnet.