Nahverkehr wird attraktiver

Verkehr 1996:

Am 1. Januar 1996 beginnt ein neues Kapitel in der Geschichte des deutschen Bahnwesens: Mit der Regionalisierung des Schienenpersonennahverkehrs geht die Zuständigkeit vom Bund auf die Länder über. 1996 gibt es dafür 8,7 Mrd. DM aus Mitteln des Bundes als Beihilfe. Auf regionaler Ebene soll – so die Überlegung – besser und schneller entschieden werden können, welches Angebot tatsächlich benötigt wird. Grundlegende Veränderungen stellen sich durch den Wechsel der Zuständigkeit aber noch nicht ein. Die Deutsche Bahn AG bleibt 1996 der mit Abstand größte Einzelanbieter. Doch können nun auch kommunale oder private Anbieter hinzukommen.

Das 1994 in eine Aktiengesellschaft umgewandelte Bundesunternehmen befördert 1996 im Nahverkehr rd. 1,2 Mrd. Passagiere und verzeichnet damit ein Plus von 3,8%. Dieses Ergebnis wird durch neue Strecken, bessere Fahrzeuge und das sog. Schöne-Wochenend-Ticket erreicht.

Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) verzeichnet 1996 insgesamt rd. 8,5 Mrd. Fahrgäste. Das bundesweit beste Beförderungsergebnis unter den Verkehrsverbunden meldet 1996 der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) mit 1 075 Mio. Fahrgästen. Weltmeister beim Bahnfahren sind auch 1996 die Schweizer: Pro Jahr legt jeder Einwohner durchschnittlich 1699 km mit der Eisenbahn zurück. Als Weltpremiere führen die Schweizer Bundesbahnen (SBB) einen sog. sprechenden Fahrplan ein: Ein Computer nimmt die Telefonanfragen der Kunden an, ermittelt die gewünschte Verbindung und teilt dem Anrufer die Informationen per Computerstimme mit.

Auf Platz zwei in der Bahnfahrer-Rangliste liegen die Österreicher mit 1202 Jahreskilometern. Die Bundesdeutschen erreichen mit 761 km pro Person und Jahr lediglich Platz elf unter 22 erfassten Ländern. Vom Gesamtaufkommen im Personenverkehr in Deutschland 1996 (913,7 Mrd. Personenkilometer) werden 82% (745,0 Mrd. Personenkilometer) vom Auto erbracht. Das Auto ist weiterhin das Verkehrsmittel mit dem höchsten Unfallrisiko, obwohl die Zahl der Getöteten seit 1991 rücklaufig ist: 8758 Menschen sterben 1996 im deutschen Straßenverkehr.

Am größten ist die Unfallgefahr in Brandenburg: Hier werden 1996 258 Menschen je 1 Mio. Einwohner durch Verkehrsunfälle getötet. Das geringste Risiko, den Tod im Straßenverkehr zu erleiden, tragen die Einwohner von Hamburg, Berlin und Bremen.

Im Flugverkehr wird den deutschen Airlines durch das am 1. Februar vereinbarte deutsch-US-amerikanische Luftverkehrsabkommen Zugang zu allen Flughäfen in den USA erteilt. Bis dahin durften nur 25 Flughäfen in den USA angeflogen werden.

In der Rangliste der größten Fluggesellschaften liegen bei den Passagierzahlen mit British Airways (26,7 Mio. beförderte Fluggäste) und der Deutschen Lufthansa (20,1 Mio.) zwei europäische Luftfahrtgesellschaften vor der American Airlines (16,7 Mio.) als größter US-Fluglinie.

Das unverändert stürmische Anwachsen der Verkehrsluftfahrt, deren Passagieraufkommen seit Mitte der 80er Jahre um 75% gestiegen ist, geht 1996 mit einer großen Zahl von Unfällen einher. Mit rd. 1800 Toten wird die höchste Zahl seit 1985 verzeichnet.

Zu den schwersten Unfällen zählen der Absturz einer Boeing 757 der türkischen Birgen Air vor der Küste der Dominikanischen Republik, der Crash einer Boeing 747 der TWA vor Long Island, die Kollision einer saudischen Boeing 747-100 und einer Iljuschin-76 aus Kasachstan bei Neu-Delhi am 12. November und die Notlandung einer entführten äthiopischen Boeing 767 am 23. November auf den Komoren. 17 Menschen sterben und 62 werden verletzt, als am 11. April im Düsseldorfer Flughafen ein Feuer ausbricht.