Neue Umwelt-Experimente

Auto und Verkehr 1996:

Die weltweite Automobilproduktion kann mit insgesamt 51,8 Mio. Einheiten gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung um 2,8% verzeichnen. Dabei können die europäischen Hersteller um 3,7%, die asiatischen um 3,9% zulegen. Die US-Hersteller büßen 1,5% ein, wobei die in den USA produzierenden japanischen Firmen nicht betroffen sind. Die Steigerungsraten in den lateinamerikanischen Ländern sind beträchtlich: Mexiko 23%, Brasilien 11,3%, Argentinien 9,6%.

Die Hersteller der Europäischen Union steigern die Produktion um 3,7%. Hier kann Großbritannien allein bei den dort produzierenden japanischen Unternehmen einen Zuwachs von 20% ausweisen. Die weltweit agierenden deutschen Hersteller steigern den Ausstoß insgesamt um 11,9%, in deutschen Werken um 3,8%. Dies entspricht einer Produktion von 4,84 Mio. Einheiten aller deutschen Hersteller.

Der Import ausländischer Fahrzeuge nach Deutschland steigt um 7,6%; Renault ist hier vor Fiat der Marktführer. 58,6% der deutschen Inlandsproduktion geht in den Export. Der Gesamtbestand an Kraftfahrzeugen in Deutschland steigt auf 44,8 Mio. (+ 5%); damit entfallen auf 1000 Einwohner 546 Kraftfahrzeuge.

Die Abkehr der Käufer von der klassischen Limousine hält an, der Trend zu Schrägheck- und Kombiwagen bleibt deutlich. Zuwachsraten ergeben sich bei Cabriolets und Großraumlimousinen (Marktanteil der letzteren jetzt 2,7%, allerdings ausschließlich aus ausländischer Fertigung). Der Geländewagenmarkt stagniert und setzt sich ebenfalls aus Importen zusammen. Das einzige einheimische Fabrikat ist der in Lizenzfertigung entstehende südkoreanische KIA Sportage.

Thema des Jahres ist wieder das Drei-Liter-Auto. Die Umweltorganisation Greenpeace stellt das von ihr propagierte Fahrzeug »Smile« auf Basis des Renault Twingo vor. Bemerkenswert ist das von der schweizerischen Firma Wenko AG dafür entwickelte Zweizylinder-Antriebsaggregat mit zwei Comprexladern, das bei nur 358 ccm Hubraum eine Leistung von 55 PS erbringt. Bei nicht repräsentativen Messungen ergibt sich ein Verbrauch von immerhin 3,0 bis 3,5 l/100 km.

Dem Erdgasantrieb widmet BMW zwei Modelle. Die Akzeptanz bleibt gering, was wohl dem Preis, dem Verlust an Innenraum und dem noch unzureichenden Versorgungsnetz zuzuschreiben ist. Daimler-Benz zeigt mit einer verbesserten Brennstoffzelle eine interessante und zukunftsträchtige Alternative. Das Streben nach Verbrauchs- und Abgasminimierung führt zum ersten direkteinspritzenden Dieselmotor mit Vierventiltechnik bei Opel. Mitsubishi stellt die direkte Benzineinspritzung GDI (Gasolene Direct Injection) vor. Beide Entwicklungen dürften die Zukunftstechnik des Automobils mitbestimmen.

Das Auto des Jahres wird mit den Schwestermodellen Bravo/Brava wieder von Fiat gestellt. Den Kleinwagensektor bereichern Ford mit dem Modell Ka und Lancia mit dem Y, beides äußerlich unkonventionelle Konstruktionen. Audi tritt mit dem A3 als VW-Golf-Wettbewerber auf, wie auch die Konzernmarke Skoda mit dem auf gleicher Basis aufbauenden Octavia.

Dagegen lässt die Neuauflage des VW Passat erkennen, dass der Hersteller mit diesem Modell künftig in ein höheres Marktsegment strebt. Ford hat das Modell Mondeo überarbeitet.

Eine bemerkenswerte Neuheit steuert wiederum Renault bei. Die Version Scenic des Modells Mégane zeigt als »Kompaktraum-Limousine« den Weg zu kompakten Außenabmessungen mit deutlich höherer (160 cm) Karosserie und dazu vielfach variierbarem Innenraum. Hier wird eine Tendenz deutlich – beeinflusst von den wesentlich geräumigeren Großraumlimousinen (Mini-Vans) -, die in den nächsten Jahren die Form unserer Autos mitbestimmen wird.