Ein behagliches Zuhause

Wohnen und Design 1998:

Wenn es 1998 überhaupt einen Einrichtungstrend gibt, dann den zur Individualisierung. Die eigenen vier Wände, die in den letzten Jahren immer stärker zum Terrain für Rückzug und Erholung vom Stress der Außenwelt geworden sind, sollen ganz nach dem persönlichen Geschmack und den Bedürfnissen der Bewohner ausgestattet werden.

Besonders ausgeprägt bekommen dies die Anbieter von Kücheneinrichtungen zu spüren. Die Küche ist nicht länger ein Arbeitsraum, in dem vorgefertigte Einbauzeilen dominieren. Vielmehr avanciert sie zu einem vollwertigen Wohnraum, für den individuelle Lösungen gefragt sind. Zu den beliebten Einzelstücken zählen große Arbeits- und Esstische aus Massivholz, Vertikos mit altmodischem Touch und sog. Apothekerschränke, ausziehbare Regale, die durch Übersichtlichkeit und guten Zugriff überzeugen. Um dem »Trend zum kommunikativen Kochen« zu entsprechen, ist der Herd nicht in eine Küchenzeile integriert, sondern ragt weit in den Raum, so dass er von drei Seiten zugänglich ist. Die Hersteller bieten u. a. an, Küchenelemente in unterschiedlichen Höhen zu liefern. Wer will, bekommt die Spüle also 10 cm höher als die Arbeitsplatte.

Wenn genügend Platz vorhanden ist, werden auch Essensgäste in der Küche empfangen, die dann nach dem Mahl am Tisch sitzen bleiben, statt wie früher in der Polstergarnitur Platz zu nehmen. Stattdessen dienen die Sofas nun als kuscheliger Hort der Ein- oder Zweisamkeit, wo man nicht nur sitzen, sondern den Feierabend auch im Liegen verbringen kann. Besonders für diesen Zweck geeignet sind die Recamieren, Sitz- und Ruhemöbel mit asymmetrischen Rücken- und Armlehnen. Geradezu ein Synonym für ein behagliches Zuhause bleibt 1998 der Landhausstil, der – zumal er je nach Vorbild sehr unterschiedlich ausfällt – eher als Lebensgefühl denn als Einrichtungstrend verstanden werden kann.

Neuester Trendsetter ist das amerikanische Landleben. Möbel aus dunkel gebeiztem Kirsch- oder Ahornholz lassen die eigenen vier Wände ein bisschen wie Scarlett O’Haras Heimstatt erscheinen.

Aus USA kommt auch eine auf den ersten Blick entgegengesetzte Strömung – der Trend zu Metallmöbeln. Um aber Schränke und Kommoden aus Aluminium oder Edelstahl weniger kalt wirken zu lassen, wird das Material mit Holz oder Stoff – gern in verspielten Dessins – kombiniert.

Die deutsche Möbelbranche verzeichnet 1998 zum ersten Mal seit drei Jahren wieder ein Umsatzplus um 3% und steht damit im Vergleich zum übrigen Einzelhandel sehr gut da – ein Indiz, dass die Bundesbürger trotz weiterhin knapper Kassen wieder in die Gestaltung ihres unmittelbaren Lebensraumes investieren.