Immer öfter Snacks

Ernährung, Essen und Trinken 1998:

Schnell und preiswert eine Kleinigkeit außer Haus essen – dazu tendieren immer mehr Bundesbürger. Nach einer Studie der Centralen Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft (CMA) isst jeder Deutsche 3,6 Mal pro Woche auswärts (1991 lag dieser Wert noch bei 2,3) und gibt dafür durchschnittlich 9,20 DM pro Mahlzeit aus (1991: 10,78 DM).

Das Gros der Bevölkerung gibt immer weniger Geld für Essen aus. Wurde vor 25 Jahren noch etwa jede dritte Mark der Gesamtausgaben für Nahrungsmittel verwendet, so ist es inzwischen nur noch jede sechste. Entsprechend hoch ist der Preisdruck auf die Erzeuger und Händler.

Auch bei dem Essen, das die Bundesbürger sich am heimischen Herd zubereiten, ist ein deutlicher Trend zum sog. Convenience Food zu beobachten. Damit sind Mahlzeiten gemeint, die zu Hause nur noch warmgemacht werden müssen, also z. B. Tiefkühlmenüs oder -snacks. Wachsender Beliebtheit erfreuen sich Gerichte, die, mit heißem Wasser übergossen, in fünf Minuten fertig sind.

Die Diskussion um BSE-verseuchtes Rindfleisch, die in den letzten Jahren immer wieder durch neue Schreckensmeldungen angeheizt wurde, tritt 1998 in den Hintergrund. Stattdessen rücken mit genmanipulierten Zutaten hergestellte Nahrungsmittel in den Mittelpunkt des Interesses. Der Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé bringt Ende August den Schokoriegel »Butterfinger« auf den Markt, der – wie der Hersteller auf der Verpackung zu erkennen gibt – möglicherweise gentechnisch veränderten Mais enthält. Am Beispiel »Butterfinger« wird ein Dilemma der Kennzeichnung deutlich: Bei Importen z. B. aus den USA und Kanada muss damit gerechnet werden, dass die Ware gentechnisch veränderte Bestandteile enthält, ohne dass dies eigens vermerkt ist.

Auch in Deutschland wird 1998 erstmals genmanipulierter Mais geerntet. In diesem Zusammenhang fordern die Berliner Ärztekammer und die Umweltschutzorganisation Greenpeace ein Verbot von Gen-Mais, weil die Pflanzen gegen Antibiotika resistent sind. Diese Eigenschaft könnte auch auf Bakterien übertragen werden, die dann durch Antibiotika nicht mehr zu kontrollierende Infektionen auslösen könnten.