Lewinsky-Affäre bringt US-Präsident Clinton in höchste Bedrängnis

Lewinsky-Affäre bringt US-Präsident Clinton in höchste Bedrängnis
Monica Lewinsky. Helene C. Stikkel [Public domain], via Wikimedia Commons

Politik und Gesellschaft 1998:

Verkehrte Welt: Nicht die wirtschaftlichen und politischen Krisen in Asien und Russland, die entfesselten Gewalten der Natur als Vorzeichen einer drohenden Klimakatastrophe oder die Globalisierung der Wirtschaft und der Märkte liefern das Dauergesprächsthema des Jahres, sondern das Sexualleben des US-Präsidenten: Eine zu Jahresbeginn noch völlig unbekannte Ex-Praktikantin namens Monica Lewinsky bringt den mächtigsten Mann der einzig noch verbliebenen Supermacht an den Rand des politischen Abgrunds: Im Januar verkündet Bill Clinton noch treuherzig: »Es gibt keine sexuelle Beziehung zu Monica Lewinsky. Und ich habe nie jemandem gesagt, dass er lügen soll.« Im August muss er einer Anklagekammer, der staunenden Öffentlichkeit und nicht zuletzt seiner Frau Hillary eingestehen: »Ich hatte in der Tat eine Beziehung zu Frau Lewinsky, die unangemessen war. Sie war sogar nicht richtig.« Damit nicht genug: Das Repräsentantenhaus, in dem Clintons politische Gegner, die Republikaner, die Mehrheit haben, beschließt, die Belastungsunterlagen im Internet zu veröffentlichen und dann – der bisherige Gipfel des hochnotpeinlichen Offenbarungseides – am 21. September die Videoaufzeichnung von Clintons Vernehmung auch noch den Fernsehanstalten zugänglich zu machen. Zwar hat Umfragen zufolge die Mehrheit der US-Bürger bald genug von den Enthüllungen über Clinton und seine Kontakte zu Lewinsky und anderen Frauen, doch das Repräsentantenhaus entscheidet am 19. Dezember, dass gegen Clinton wegen angeblichen Meineids und Behinderung der Justiz ein Verfahren auf Amtsenthebung eingeleitet werden soll. Nur folgerichtig, dass Clinton und der ihn mit missionarischem Eifer verfolgende Sonderermittler Kenneth Starr vom US-Magazin »Time« zu »Männern des Jahres« erhoben werden.