Stuhl oder Stehpult – Käufer hat die Wahl

Wohnen und Design 1998:

Der Mensch ist zum Sitzen völlig ungeeignet, finden Orthopäden und Anthropologen. Dies ändert nichts daran, dass viele den größten Teil ihres Tages im Sitzen verbringen – und es hält Möbeldesigner nicht davon ab, gerade den Stuhl als Objekt für neue Gestaltungsideen zu nutzen.

Die Stühle der 90er weisen klare Linien und Formen auf – ebenso wie die in den 60er Jahren -, nur kommen sie noch etwas frecher daher als ihre 30 Jahre älteren »Brüder«. Dies zeigt sich u.a. an dem Polsterhocker »Glüp«, einem Nachfolger des berühmten Sitzsackes aus den 60er Jahren.

»Sacco«, in seinem Entstehungsjahr 1968 als höchst revolutionär empfunden, zeigte sich jedenfalls in diskretem Schwarz und wies zumindest andeutungsweise die Form eines Stuhles auf. »Glüp«, 1998 auf der Kölner Möbelmesse erstmals gezeigt, gibt es dagegen in Rot, Gelb und Grün, und wer Rücken- und Armlehnen möchte, muss sie sich selbst zurechtsitzen. Aus Sicht der Orthopäden ist es trotz alledem sehr viel sinnvoller, am Stehpult zu arbeiten – sie können sich freuen, denn auch diese für die heutige Zeit etwas gewöhnungsbedürftigen Möbelstücke kommen wieder in Mode.