Erneut führt Russland Krieg gegen Tschetschenien

Politik und Gesellschaft 1999:

Die geschwächte einstige »Supermacht« Russland, die dem Krieg gegen ihr serbisches »Brudervolk« zähneknirschend zusehen musste, zeigt im Herbst der NATO ihre Grenzen auf: Ungeachtet aller westlichen Friedensappelle führt Moskau zum zweiten Mal Krieg gegen Tschetschenien. Der unter dem Vorwand, dort »Terroristen« zu bekämpfen, geführte Vernichtungsfeldzug dient nicht zuletzt den politischen Ambitionen von Wladimir Putin: Erst im August zum Ministerpräsidenten berufen, avanciert der bis dahin farblose Ex-Geheimdienstler dank des Kriegslärms im Kaukasus zum neuen starken Mann, der am letzten Tages des Jahres vom amtsmüden Boris Jelzin sogar in das höchste Staatsamt gehievt wird.