Flaute nach Spitzenjahr

Mode 2000:

Kälte und Regen im Norden, Rekordhitze und Feuersbrünste im Süden – der Sommer 2000 weckt in ganz Europa nicht gerade die Reiselust. Für die Tourismusmanager, die zu Beginn des Jahres 2000 noch voller Euphorie von Zuwachsraten bis zu 9% träumen, folgt nach dem Spitzenjahr 1999 die Flaute.

Den stärksten Einbruch muss die Lieblingsinsel der Deutschen – Mallorca – verkraften. Hier bleiben im Sommer viele Betten leer, Flüge werden wegen mangelnder Auslastung gestrichen. Der Rückgang der Gästezahlen wird auf bis zu 30% beziffert. Ein hausgemachtes Imageproblem, so heißt es in der Branche, habe Mallorca den Sommer verdorben. Immer häufiger wurde von der Unzufriedenheit der Inselbewohner über die Gästemassen und deren z. T. rüpelhaftes Benehmen berichtet. Für zusätzlichen Zündstoff sorgte die Diskussion um die Einführung einer Ökosteuer für Touristen auf den Balearen. Tatsächlich bringt die rot-grüne Regionalregierung in Palma im Sommer ein entsprechendes Gesetz auf den Weg, demzufolge Urlauber ab 2001 eine Abgabe von durchschnittlich einem Euro pro Tag entrichten müssen. Auch das übrige Spanien steht 2000 in der Gunst der deutschen Urlauber nicht besonders gut da. Neben Preisanhebungen hat dies wohl auch Umweltgründe: Die spanische Gesundheitsbehörde hat ermittelt, dass etwa ein Drittel der Strände zum Baden ungeeignet sind, da sie eine zu hohe Zahl von Kolibakterien und Salmonellen aufweisen; vielerorts sind aber auch Mineralöl- und Waschmittelrückstände gefunden worden. Der Trend zum Cluburlaub setzt sich 2000 bei den Deutschen verstärkt fort. Auch im eigenen Land ist es nun möglich, auf diese Weise Ferien zu machen. In der Mecklenburger Seenplatte ist das »Land Fleesensee« entstanden, ein 550 ha großer Ferienkomplex, zu dessen Eröffnung im Mai auch Bundeskanzler Gerhard Schröder anreist. Die größte Ferienanlage Nordeuropas wird von mehreren Anbietern betrieben und besticht durch die Vielfalt der Sportangebote. Nicht nur Tennis, Reiten und Segeln sind möglich, sondern z. B. auch Bogenschießen, Shuffleboard, Badminton oder Inline-Skaten. Ob das »Land Fleesensee« tatsächlich, wie propagiert, dem »sanften Tourismus« zuzurechnen ist, wird allerdings von Kritikern angesichts der Größe der Anlage in Zweifel gezogen. Weit exklusivere Clubs bietet die stetig wachsende Flotte der Kreuzfahrtschiffe, deren Anbieter sich deutlich um einen Imagewechsel bemühen. Das Bordleben gestaltet sich immer legerer, um auch ein jüngeres Publikum anzuziehen. Aus den USA stammt die Idee der »Fun Ships«, die eine Art schwimmende Vergnügungsparks darstellen; dazu gehört die »Voyager of the Seas«, die dreimal so groß ist wie die legendäre »Titanic«. Unter den Kreuzfahrern sind zunehmend auch Segelschiffe zu finden, z. B. das Fünfmast-Vollschiff »Royal Clipper«, das am 18. Juli zu seiner Jungfernfahrt ausläuft.

Eine andere Form der Exklusivität bieten Clubs, die frühere Spitzensportler als Kursleiter engagieren. Ambitionierte können z. B. mit Rosi Mittermeier und Christian Neureuther ihre Skitechnik verbessern, Claudia Kohde-Kilsch gibt auf Kreta Tennisunterricht. Dass Touristen am Urlaubsort künftig genau das vorfinden, was ihnen im Katalog versprochen worden ist, dafür soll die Euro-Norm für Reiseangebote sorgen. Sie enthält Definitionen für typische Begriffe aus dem Bereich Tourismus, auf die sich 19 Staaten geeinigt haben. Festgelegt werden u. a. das Mindestangebot für ein Frühstücksbüfett oder ein englisches Frühstück und die Abgrenzung zwischen einem Direktflug (eine Zwischenlandung ohne Umsteigen) und einem Nonstop-Flug (ohne Zwischenlandung). Keine Einigung gibt es dagegen bei der Bettenlänge – die von den Nordeuropäern verlangten 1,90 m erscheinen den Südeuropäern übertrieben – und bei einer Definition des Begriffs »Meerblick«.