Minimal oder gemütlich

Wohnen und Design 2000:

Fernöstlich und westlich, minimalistisch, kuschelig, flexibel und gemütlich – unter diese nicht unbedingt miteinander zu vereinbarenden Begriffe lassen sich die Einrichtungstrends 2000 fassen. An die Stelle der Couchgarnitur ist seit einigen Jahren entweder die Wohnlandschaft oder das variable Einzelstück getreten. Der Wunsch, es sich jenseits von Repräsentationspflichten gemütlich zu machen, ist ausschlaggebend für die Wahl des Sofas, und die Möbelindustrie reagiert darauf, indem sie Modelle mit überbreiten Sitzflächen, mit vielen Kissen in unterschiedlichen Größen, aber auch mit bei Bedarf ausfahrbaren Abstellflächen anbietet. Im Zeichen des Wohnkomforts wird auch der Fernsehsessel wiederentdeckt, der nun als Relax-Sessel – häufig auf Kufen – daherkommt. Der Tendenz zur Gemütlichkeit steht allerdings entgegen, dass führende Designer den Minimalismus des Bauhauses bzw. der 1960er und 1970er Jahre für sich wiederentdeckt haben. Geradlinige, schnörkellose, kühle Möbelstücke in den Un-Farben Weiß, Grau, Schwarz oder Beige kommen dieser »neuen Sehnsucht nach dem Nichts« (Holger Liebs) entgegen. Ein herausragendes Beispiele ist eine kubistisch inspirierte Serie aus Liege- und Sitzmöbeln, die der Brite David Chipperfield für Hitch Mylius entworfen hat. Originell und nicht ganz so minimalistisch sind der Computer-Arbeitsplatz »Net Chopper« von Dittrich Design oder das Sitzkissen »Memo« von Ron Arad/Inflate: Es erinnert an den Sitzsack aus den 1970ern, ist wie dieser mit Kunststoffkügelchen, außerdem aber mit Luft gefüllt, die man beim Sitzen zur besseren Passform herauslassen kann.

Westlich Minimalistisches weist, wie Designer erkannt haben, Ähnlichkeit mit fernöstlichen Wohntraditionen auf, und so steht der Europa-Asien-Crossover weiterhin in der Gunst ganz oben: Papierlampen, Paravents aus Papier, puristisch gerade Kommoden oder Tabletts auf Füßen wecken japanische Assoziationen. Meisterin auf diesem Gebiet ist die Italienerin Paola Navone, Designerin des Jahres 2000.