Umwelt lustlos, Luxus läuft

Auto und Verkehr 2000:

Die Bestrebungen zur Schaffung verbrauchsärmerer Motoren werden durch die Autoindustrie zwar fortgesetzt, vom Käufer jedoch trotz hoher Spritpreise nur zögerlich honoriert. In der Praxis bevorzugt der Durchschnittskäufer gleichwohl ein »normales« Mittelklassemodell mit erheblich höherem Verbrauch, dafür aber relativ günstigen Anschaffungskosten. Ist der Verbraucher also kaum bereit, aus Gründen des Umweltschutzes mehr Geld aufzuwenden, so sind ihm Steigerungen bei der Leistung und bei der Höchstgeschwindigkeit durchaus ihren Preis wert.

Die klassische Limousine mit ausgeprägtem Kofferraum befindet sich weiter auf dem Rückzug. Eine große Heckklappe wird von einer wachsenden Käuferschicht als attraktiver angesehen. Daneben behauptet sich der Kombiwagen, der allerdings Marktanteile an die universell einsetzbaren »Micro-Vans« abgibt. Hier tritt Opel mit dem Modell Agila in den Kreis der Wettbewerber ein. Dieses Fahrzeug repräsentiert auf seine Weise die Globalisierung in der Branche: Es basiert auf dem Suzuki-Modell Wagon R und wird in Ungarn produziert.

Der Trend zu zivileren Geländewagen setzt sich fort, BMW lanciert hier das Modell X5 (mit Allradantrieb). Nach wie vor großer Beliebtheit erfreuen sich auch alle Erscheinungsformen des Cabriolets. Der zweisitzige Smart lässt sich in Stufen öffnen, Opel offeriert mit dem Speedster eine attraktive Möglichkeit des Offenfahrens. Für eine runde Dreiviertelmillion ergänzt der Rolls-Royce Corniche das Angebot. Auf dem Luxussektor im höheren sechsstelligen Preissegment gibt es keinen Mangel bei den Modellen. Wer zur Untertreibung neigt, wählt den Kombiwagen RS 4 von Audi, ansonsten stellen sich die BMW-Limousine M5 oder der Roadster Z8, der Porsche 911 Turbo und der Ferrari Modena zur Wahl, ohne dass damit das Angebot erschöpft wäre. Daneben nehmen sich die neuen Ausführungen bewährter Großserientypen sehr bescheiden aus: Mercedes C-Klasse, Ford Mondeo, VW Passat, Opel Astra usf. Mit dem Chrysler PT Cruiser und noch mehr mit dem Ford Thunderbird schließen sich jetzt auch Großhersteller dem bisher vor allem von Kleinstproduzenten gepflegten Trend zu »Retro-Fahrzeugen« an, solchen Wagen, die klassische Stilelemente aufgreifen.